Griechische Finanzkrise Die Abrechnung mit den Sündern beginnt

15 Millionen Euro, einfach so verschwunden: Der ehemalige Bürgermeister Thessalonikis wurde wegen Veruntreuung zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Eine drakonische Strafe, die viele Griechen das Fürchten lehren könnte.

Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Staatsdiener stopften sich die Taschen voll, und wer von Unterschlagung und Korruption wusste, der schaute lieber nicht so genau hin. In der Hoffnung, vom großen Kuchen könnte auch ihm ein Krümel in den Mund fallen. So muss es gewesen sein, anders lässt sich kaum erklären, wie in der griechischen Großstadt Thessaloniki jahrelang Millionen Euro einfach verschwinden konnten. Anderswo ging es ähnlich zu.

Nun hat ein Gericht entschieden, dass solche Fälle keine Kavaliersdelikte sind, sondern Kapitalverbrechen, für die auch lebenslange Haft verhängt werden kann. Die Urteile gegen den Ex-Bürgermeister von Thessaloniki und zwei hohe Beamte wegen Veruntreuung sind hart, schließlich ging es nur um Geld, nicht um Leben. Allerdings hat die griechische Krise, zu der skrupellose Staatsdiener beigetragen haben, auch schon Menschenleben gekostet. So hat das Gericht natürlich nicht argumentiert. Es konnte sich auf ein Gesetz berufen, das auch bei Finanzdelikten von Beamten die Höchststrafe kennt.

Erstaunlich ist, dass dieses Gesetz bislang keine abschreckende Wirkung entfaltet hat. Doch nun haben sich die Zeiten geändert. In der Not erinnert sich Griechenland an eine Art Notstandsrecht. Nach den bislang beispiellosen Urteilen von Thessaloniki dürften viele anfangen, sich zu fürchten. Die Abrechnung mit den Sündern der Vergangenheit hat gerade erst begonnen.