Wie viele Regierungen hat ein Bundesland? Muss man mal fragen, seit am Dienstag in Nordrhein-Westfalen der Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte, keine Gottesdienste an Weihnachten zu verbieten - und zur selben Zeit sein Vize Joachim Stamp (FDP) die Kirchen aufrief, diese Gottesdienste abzusagen. Es darf sich jeder aussuchen, von welchem Regierungsteil man sich angesprochen fühlt: von dem, der den Kirchgang erlaubt und sich jeden weiteren Appell spart; oder von dem, dem diese Erlaubnis nicht geheuer ist, der aber nicht unterm Wappen des Landes dagegen agitiert, sondern unter dem von Facebook.
Gottesdienst oder kein Gottesdienst, das ist offenbar eine Gewissensentscheidung. In Parlamenten wird bei Fragen dieser Kategorie die Fraktionsdisziplin aufgehoben, in NRW nun die Regierungsdisziplin. Das ist so sympathisch wie riskant: Die meisten Menschen ticken nun mal so, dass sie eine Ansage (und nicht deren zwei) brauchen, was geht und was nicht.
Was wirklich schlimm an diesem Weihnachten ist: dass so oder so nur wenige Menschen in die Kirche gehen - und dadurch kaum eine Kollekte zustande kommt. Viele Hilfswerke sind angewiesen darauf. Wer seine Mitmenschen nicht gefährden und seinem Gott eine Freude machen will, könnte daheim bleiben und eine schöne Überweisung tätigen.
