Google:Der Riese und seine Tricks

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Google

Der US-Konzern Google zählt zu den reichsten der Welt - am Anfang bezweifelten Experten, dass man mit kostenloser Internetsuche Geld verdienen könne.

(Foto: Lu Liang/dpa)

Die Suchmaschinen-Firma soll 2,4 Milliarden Euro Strafe zahlen: Sie darf nicht länger Marktbetreiber und Markthändler zugleich sein.

Kommentar von Claus Hulverscheidt, Berlin

Wer die Dimension all dessen verstehen will, um das es hier geht, muss sich vielleicht nur eine einzige Zahl vor Augen führen: Am Montag dieser Woche kostete der Google-Mutterkonzern Alphabet an der Börse erstmals mehr als zwei Billionen Dollar - das ist das 14-Fache dessen, was der weltgrößte Autohersteller Volkswagen auf die Waage bringt, und 200 Mal soviel wie der Firmenwert der Lufthansa. Himalaja gegen Fichtelgebirge, könnte man sagen.

Nun gibt der Börsenwert allein noch keine Auskunft darüber, ob ein Konzern seine Größe missbraucht, um kleine Konkurrenten zu behindern. Die Versuchung aber ist groß - das haben alle Ermittlungen der vergangenen Jahre gegen die Giganten Google, Amazon, Apple und Facebook gezeigt. Das EU-Gericht, eine Unterinstanz des Europäischen Gerichtshofs, hat das jetzt im Kern bestätigt: Laut Urteil muss Google jene Strafe von 2,4 Milliarden Euro bezahlen, die Brüssel 2017 gegen die Firma verhängt hatte. Der Vorwurf: Sie soll Verbraucher, die im Internet Preise recherchierten, mithilfe ihrer alles dominierenden Suchmaschine systematisch zum konzerneigenen Vergleichsdienst weitergeleitet haben.

Damit treffen die Richter Google (aber auch Amazon) an einem wunden Punkt: Beide Konzerne betreiben Online-Marktplätze, auf denen sie selbst auch Verkäufer sind. Das kann, ja, das muss geradezu zu Interessenkonflikten führen, denn natürlich ist den Firmen daran gelegen, eigene Waren und Angebote besonders auffällig zu platzieren. Es ist, als würde ein Wochenmarktbetreiber am einzigen Marktzugang einen riesigen Stand aufbauen, den jeder passieren muss und an dem er alle Lieblingsprodukte der Besucher auf eigene Rechnung zu Tiefstpreisen offeriert. Welches Motiv sollen die Kunden da noch haben, die weiter entfernten Stände kleinerer Anbieter aufzusuchen?

Eine Idee, die nach Sozialismus klingt, es aber nicht ist

Um das Problem zu beheben, sollte die Staatengemeinschaft die Giganten zwingen, Marktbetrieb und -verkauf in voneinander unabhängige Tochterfirmen auszulagern. Konzerne, die das nicht konsequent umsetzen, müssen förmlich aufgespalten werden. Das klingt nach Sozialismus, ist es aber nicht: Ähnliche Beschlüsse hat es wiederholt gegeben, etwa im Energie-, Telekom- und Bahnsektor. Und auch eine zweite Idee, die im US-Kongress erörtert wird, verdient Beachtung: Die Parlamentarier wollen die Megafirmen zwingen, Kunden auf Wunsch eine Version ihrer Such- oder Social-Media-Plattformen anzubieten, die ohne personalisierenden Algorithmus arbeitet: Die Nutzer erhielten dann weniger passgenaue Anzeigen, aber auch weniger Falschnachrichten.

Kartellrecht und Regulierung allein aber reichen nicht aus. Besser, als erfolgreiche Firmen nur zu zerschlagen, wäre es, wenn die EU und die USA ihre industriepolitischen Konzepte radikal überarbeiteten und junge, erfolgversprechende Firmen gezielt förderten - mit Subventionen, aber auch durch massive Vereinfachungen des Genehmigungs- und Steuerrechts. Bürokratie und hohe Kosten nämlich behindern den Wettbewerb oft mindestens so stark wie Google & Co.

Das gilt umso mehr, als sich das Platzhirschproblem ja manchmal von ganz alleine löst, denn je größer Konzerne werden, desto mehr neigen sie auch zu Bräsigkeit und haarsträubenden Managementfehlern. Wer Nachfragen hat, möge sich an einstige Berühmtheiten wenden, beispielsweise an IBM. Oder an Hertie, Nokia und General Electric.

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