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Gleichstellung:Typisch Männer

Mit einem Gesetz wollte die Koalition mehr Frauen den Weg in Führungspositionen ebnen. Doch plötzlich hat die Union wieder Bedenken. Das ist höchst ärgerlich. Wirklich irritierend ist aber die Rolle, die die Frauen dabei spielen.

Von Cerstin Gammelin

Das Wahlprogramm der Union soll im Juni vorgestellt werden. Aber es ist zu erkennen, in welche Richtung es gehen soll. Die Union ist auf dem Weg zum Männerwahlverein. Wohin man bei CDU und CSU schaut, rangeln Männer ähnlichen Alters um Einfluss und Macht, schieben sich gegenseitig in den Vorder- oder Hintergrund. Und genau in diese Richtung sind auch die Unionsabgeordneten gegangen, die vergangene Woche das nach hartem Ringen in der Koalition ausgearbeitete Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen wieder mit einem dicken Fragezeichen versehen haben.

Die Forderungen würden - kämen sie durch - das geplante Gesetz derart verwässern, dass man es im parlamentarischen Papierkorb entsorgen könnte. Es sieht ohnehin nur homöopathische Eingriffe in die Besetzung von Vorständen vor; es betrifft lediglich 70 Unternehmen, von denen 30 keine Frau im Vorstand haben. Zeitgemäß ist das nicht - und trotzdem will die Union eine neue Übergangsfrist von 18 Monaten durchsetzen und ein Wiederberufungsrecht für amtierende Vorstände. Parität? War da mal was?

Das Irritierende ist nun nicht, dass Männer ihre Macht verteidigen. Kann ja nicht jeder so heldenmütig verzichten wie Robert Habeck. Sondern, dass die Frauen in der Union dieses männliche Schaulaufen ohne Widerspruch ertragen - und nun sogar Regeln mit verhandeln, die sie selbst einschränken.

© SZ/kus
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