Geldwäsche:Europa muss den Kampf aufnehmen

Geldwäsche fördert Korruption, unterwandert die Gesellschaft und gefährdet die Demokratie. Die EU muss endlich härter gegen Finanzkriminalität vorgehen.

Kommentar von Markus Zydra

Es gibt wohl kaum ein Verbrechen, dessen negative Konsequenzen so oft unterschätzt werden wie bei der Geldwäsche. Zwar wissen Politik und Gesellschaft, dass hinter den illegalen Einnahmen der Drogen-, Menschen,- und Waffenhändler furchtbare Schicksale stehen. Sie ahnen auch, dass Schwarzgeld die Korruption fördert und die Demokratie unterwandert. Doch in Deutschland und Europa lebt man nach dem Motto: Wenn das Geld schon stinkt, dann hält man sich eben die Nase zu. Denn schlussendlich, so die zynische Haltung, steigert auch dieses Geld das Wirtschaftswachstum.

Der Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs legt diese Nonchalance schonungslos offen. Der Kampf gegen die Geldwäsche in der EU krankt an nationalen Eitelkeiten. Dabei wissen alle Experten, dass man des Problems national nicht Herr wird. Die organisierte Kriminalität und der Terrorismus agieren international. Illegal erwirtschaftetes Geld verschwindet über Landesgrenzen in Sekundenbruchteilen im Schlund des undurchsichtigen Weltfinanzmarkts. Der Kampf gegen die Finanzkriminalität kann nur gelingen, wenn er zentral auf EU-Ebene geführt wird.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, und doch fand sie bisher kaum Gehör. In der nächsten Woche möchte die EU-Kommission ihre neue Strategie zur Geldwäschebekämpfung präsentieren. Dann gilt es. Europa muss den Kampf gegen Korruption endlich aufnehmen.

© SZ/kus
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