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Gesellschaft:Wenn die Alten helfen

Geimpfte bekommen zu Recht ihre Freiheiten zurück. Aber sie sollten auch etwas geben.

Von Angelika Slavik

Es ist absolut richtig, dass geimpfte Menschen ihre Freiheit zurückbekommen. Sie stellen ja laut Wissenschaft kein Infektionsrisiko mehr dar. Trotzdem werden die kommenden Wochen in Deutschland eine Herausforderung. Denn dieses Land muss nun seinen Zusammenhalt vor dem Coronavirus retten.

Es wird verdammt bitter, wenn Hunderttausende junger Menschen abends allein in ihren Einzimmerbuden hocken müssen, während viele Ältere, geimpft und sicher, tun und lassen können, was sie wollen: Einkaufen ohne nerviges Geteste. Tanzen bis drei Uhr morgens im Partykeller. Wieder die Kreuzfahrtschiffe stürmen. Die Pandemie hat eine Menge Ungerechtigkeit mit sich gebracht, aber noch nie wird das so sichtbar gewesen sein wie in den kommenden Wochen.

Damit das die Gesellschaft nicht zerreißt, müssen sich beide Seiten üben in Großzügigkeit und Mitgefühl. Wer noch im Lockdown lebt, muss sich mit den Geimpften freuen - es würde das eigene Leben nicht leichter machen, nur wenn andere auch leiden. Und die, die fein raus sind, sollten das Opfer der anderen schätzen: den jungen Leuten nebenan nun auch mal beim Homeschooling helfen. Und ohne Gemurre Masken tragen, auch wenn man nicht mehr ansteckend ist. Dieses minimale Opfer darf man den Glücklichen abverlangen.

© SZ
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