Sprachpolitik:Der lange Weg der Jenischen

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Sprachpolitik: Jenische am Lauerzersee in der Schweiz im Jahr 1928

Jenische am Lauerzersee in der Schweiz im Jahr 1928

(Foto: gemeinfrei/gemeinfrei)

Ein kleines fahrendes Volk in Österreich möchte offiziell als Minderheit anerkannt werden. Die Jenischen haben viele Jahrzehnte der staatlichen Unterdrückung hinter sich. Nun sollen ihre Sprache und Traditionen aufleben.

Kolumne von Karl-Markus Gauss

Ende der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts holte ich vom Salzburger Hauptbahnhof einen Dichter ab, wie ich vorher noch keinem begegnet war. Als er den Zug verließ, stand er noch eine Weile lachend mit dem Schaffner beisammen und verabschiedete sich vom Lokomotivführer, indem er ihm ein paar ausgelassene Wörter im Tiroler Dialekt zurief. Denn Romedius Mungenast war selbst Eisenbahner und stolz darauf, auch beruflich dem fahrenden Stand anzugehören. Dass sie Fahrende, Wanderarbeiter, Vagabunden, Menschen unsteten Aufenthalts wären, sagte man den Jenischen häufig nach, einer Volksgruppe, die verstreut über Norditalien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den süddeutschen Raum lebt. Wie viele von ihnen es gibt, ist unbekannt, legten die meisten Jenischen im 20. Jahrhundert doch keinen Wert darauf, dass man sie als solche identifizierte, denn in ihrer Geschichte waren sie oft und am schlimmsten von den Nationalsozialisten verfolgt worden.

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