Das Gruppenfoto der Regierungschefs und Emissäre auf dem G-20-Gipfel in Rio de Janeiro wird dadurch in Erinnerung bleiben, wer nicht darauf zu sehen ist: Joe Biden (USA), Justin Trudeau (Kanada), Giorgia Meloni (Italien). Dagegen erblickt man ganz hinten, während die anderen lächeln und klatschen, starr und grimmig Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Auf höchster diplomatischer Ebene ist hier das auch aus dem Alltag bekannte Phänomen zu erleben, dass der gesellschaftliche Druck zwar ein Gruppenfoto verlangt, die Abzubildenden dies aber nicht immer goutieren. Jugendliche schneiden bisweilen aus stummem Protest Fratzen oder machen Eselsohren – meist zum Verdruss jener, die sich als Familienoberhaupt und zugleich als begnadeter Fotograf betrachten. In Stalins Zeiten retuschierte man aus Gruppenfotos der kommunistischen Führung später gern Personen hinaus, die einer der üblichen „Säuberungen“ des Regimes zum Opfer gefallen waren. Manche Menschen suchen, sobald der Ruf „Foto“ ertönt, auch gezielt das Weite, weil sie nicht mit den anderen abgelichtet werden mögen, zum Beispiel mit dem russischen Außenminister. Die drei Abwesenden von Rio ließen indes erklären, ihr Fehlen habe lediglich Termingründe gehabt.
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Jetzt alle mal lächeln: das G-20-Gruppenfoto in Rio de Janeiro vom 18. November.
MAURO PIMENTEL/AFPDurch gesellschaftliche Konvention erzwungenes Bild, an dem nicht immer alle Abgebildeten Freude haben.
Von Joachim Käppner