Xi Jinping:Auf nach Bali?

Xi Jinping macht es gerne allen recht. Aber nur rhetorisch. Beim G-20-Gipfel ginge das nicht.

Kommentar von Lea Sahay

Sollte Xi Jinping nach Bali zum G-20-Gipfel fliegen, wäre das seine erste Auslandsreise seit fast drei Jahren. Der chinesische Staatschef ist angeschlagen, Null Covid und eine Immobilienkrise belasten die Wirtschaft. Auch beim Ukraine-Krieg wirkt es, als habe sich Xi verzockt.

Wie groß der Ansehensverlust in Europa ist, zeigt der Gipfel, den China jährlich mit einst 17 Ländern aus Ostmitteleuropa abhielt. Nach Litauen sind nun auch Estland und Lettland ausgestiegen. In Bali dürfte auch Pekings Strategie an ihre Grenzen kommen, je nach Gesprächspartner passende Parolen anzubieten. Zum einen übernimmt es russische Propaganda, zum anderen gibt es sich gegenüber seinen westlichen Partnern als Friedensstifter. Ein neuer Kurs ist dennoch nicht zu erwarten. Bis zum Parteitag im November hat Stabilität für Xi Priorität. Danach dürfte er zurückschlagen.

Xi richtet seine Politik an Entwicklungs- und Schwellenländer

Peking hat zu einem gewissen Teil aufgehört zu versuchen, den Westen von seiner Agenda zu überzeugen. Xi richtet seine Politik an Schwellenländer, die sich enttäuscht vom Westen abgewandt haben. Staaten, die hoffen, von Pekings Entwicklungsversprechen zu profitieren. China hat den russischen Angriffskrieg nicht verurteilt - und die Mehrheit des globalen Südens, dort wo viele Menschen wegen des Ukraine-Kriegs hungern, auch nicht.

Xi dürfte im November mit altbekannten Versprechen werben: Pragmatismus, Zusammenarbeit und sogar einer neuen "demokratischen" Weltordnung. Die Frage ist deshalb nicht, womit er lockt, sondern, was die demokratische Welt ihm an Zusagen entgegenzusetzen hat.

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