Dieses Leidensbild stammt aus einem Spiel der Leiden. Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, Sevilla, 8. Juli 1982, WM-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich. So viel war schon passiert: Der deutsche Torwart Toni Schumacher hatte den Franzosen Patrick Battiston übelst ins Krankenhaus gerammt, die Franzosen mit ihren herrlichen Artisten Platini, Giresse, Tigana hatten 3:1 vorn gelegen, die Deutschen noch ausgeglichen. Es kam zum Elfmeterschießen, dem allerersten in der WM-Geschichte. Kaltz und Breitner trafen für Deutschland, da lief Uli Stielike zum Strafstoß an, Libero bei Real Madrid. Ein respektierter, souveräner Defensivmann. Aber sein Schuss war nicht platziert, der französische Torwart Ettori parierte. Und Stielike – selten hat sich Scheitern so unmittelbar körperlich ausgedrückt – brach am Elfmeterpunkt zusammen. Vergrub sich in sich selbst. Wollte unsichtbar sein, in einem Loch verschwinden.
Es ist am Ende gut ausgegangen. Zwei Franzosen vergaben, die deutsche Elf kam ins Finale. Und Stielike war seitdem der einzige deutsche Nationalspieler, der jemals bei einem WM-Elfmeterschießen gescheitert war. Bis zum Spiel Deutschlands bei der WM 2026 gegen Paraguay, da verschossen gleich drei.

