Ist der Videobeweis im Fußball tatsächlich: ein Beweis? Die sog. Torlinientechnologie zum Beispiel schon, sie klärt etwa über ein Magnetfeld, ob der Ball, wie es im Fußballsprech heißt, mit vollem Umfang hinter der Linie war. Und dann gibt es noch den Videoassistenten, der, wie der Name schon sagt, nicht zwangsläufig ein Beweis ist, sondern eben: ein Assistent. Und daher im Zweifel nur eine weitere Meinung. In der Bundesliga gibt es den Videoassistenten seit 2017, seitdem schauen sich im Keller des Cologne Broadcasting Centers (dem sog. Kölner Keller) an sechs Arbeitsplätzen Bundesliga-Schiedsrichter strittige Szenen aus verschiedenen Perspektiven an. "98 Prozent der klaren Fehlentscheidungen", sagte vor einem Jahr der deutsche Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich, seien "verhindert" worden. Es bleibt also ein Graubereich. So wie im Spiel der deutschen Nationalelf am Dienstag, als Thilo Kehrer im Strafraum den Niederländer Memphis Depay zu Fall brachte, Schiedsrichter Craig Dawons entschied: Strafstoß. Der Videoassistent aber schickte ihn zur Überraschung vieler Zuschauer zum Überprüfen an den Bildschirm. Kehrer habe erst den Ball berührt, dann Depay. Doch kein Strafstoß. Ob der Videoassistent eine klare Fehlentscheidung verhinderte? Eher hatte er einfach eine weitere Meinung zu einer strittigen Szene.
Aktuelles LexikonVideobeweis
Etwas, das nicht unbedingt ist, was es sein will - wie am Dienstagabend in der Amsterdamer Fußballarena zu erleben war.