Das Wort Korridor stammt vom italienischen corridore, was wiederum vom lateinischen currere abstammt – und hier wird es interessant, denn Letzteres bedeutet: laufen, rennen, eilen, jagen. Wenn sich Friedrich Merz also am Mittwochabend laut einem Regierungssprecher auf die Suche nach einem „Korridor des Konsenses“ mit Arbeitgebern und Gewerkschaften begeben wollte, dann enthält schon das Wort, dass er da, sobald gefunden, bitte zügig durchgehen will. Der Korridor gehört, das passt zum Thema Sozialreformen, nicht gerade zu den Räumen eines Hauses, von denen viel Positives zu berichten ist. Typisches Lesebeispiel, hier von Theodor Storm: „ein widerwärtiger Dunst schlug uns entgegen, als wir oben durch den langen Korridor schritten“. Auch sonst gilt er in der Literatur gern als endlos, dunkel, öde. Im einschlägigen Standardwerk „Geschichte des Korridors“ bescheinigt Stephan Trüby dem Korridor „ein Reputationsproblem“, jedoch „wird seine Unbeliebtheit nur durch seine Verbreitung übertroffen“. Der Gang, den Friedrich Merz sucht, es gibt ihn also quasi überall. Allerdings ist er häufig schmal. Im Fall „Unternehmen und Gewerkschaften einigen sich auf Reformen“ ist er womöglich extrem schmal. Ob Merz sich am Ende durchquetschen kann?
Aktuelles LexikonWas ist ein „Korridor des Konsenses“?

Es gibt auch wunderschöne Korridore. Dieser „Schneekorridor“ in Japan ist bei Touristen beliebt. Er verläuft zwischen der nordostjapanischen Stadt Aomori und dem Towada-See.
kyodoFriedrich Merz sucht ihn gerade mit Firmen und Gewerkschaften in Berlin. Dabei gehört der Flur nicht gerade zu den Räumen des Hauses, von denen viel Positives zu berichten ist. Aber das wiederum passt zu Sozialreformen.
Von Lisa Nienhaus