Friedenspolitik:Die Grünen sind streitunfähig geworden

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Franz Kafkas Heimat: Karlsbrücke in Prag um 1910. (Foto: brandstaetter images/Austrian Ar/SZ Photo)

Parteien wandeln sich, das gehört dazu. Doch bei den Grünen findet derzeit eine Entfremdung von sich selbst statt: Die Fahne der anderen Meinung wird nicht mehr hochgehalten; sie wird versteckt.

Kolumne von Heribert Prantl

Der Auftakt muss sitzen; bei Franz Kafka sitzt er. Der erste Satz seiner Erzählung „Die Verwandlung“ gehört zu den bekanntesten Einstiegssätzen, die es in der Literatur gibt. Zum Todestag am 3. Juni – Kafka ist vor hundert Jahren gestorben – wurde sein Satz wieder und wieder zitiert und seine Verwandlungsgeschichte nach allen Regeln der Kunst interpretiert: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ Der „dunkle Reichtum der Phantasiewelt“ des Dichters, wie sein Kollege Vladimir Nabokov das beschrieb, der dunkle Kosmos seiner Symbole, Metaphern und Allegorien weckten und wecken die Lust der Interpreten, mit dieser Erzählung beispielsweise das gestörte Verhältnis des Individuums zu seiner Umwelt zu klären und die Familie als Machtapparat zu analysieren. Es gab und gibt religiöse, psychologische und soziologische Auslegungen der Verwandlungsgeschichte. Bei einem politischen Kommentator weckt sie die Lust auf eine politische Auslegung. Denn die Erzählung hat Erkenntniswert sowohl für ihre Entstehungszeit als auch für heute.

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