Gerade ist in Frankreich viel von Liebe die Rede. Christophe Castaner, enger Vertrauter von Präsident Emmanuel Macron, verfasste einen Liebesbrief für Journalisten. Ein Abgeordneter der Regierungspartei sprach davon, einen "Liebesbeweis" für die Polizei erbringen zu wollen.
Journalisten brauchen keine Liebe, sondern klare Regeln, die sicherstellen, dass weder Regierung noch Opposition Einfluss auf ihre Arbeit nehmen können. Das neue Sicherheitsgesetz beschneidet diese Freiheit. Angeblich zugunsten der Polizei, die man nur noch sehr eingeschränkt filmen darf. Doch diese Einschränkung ist kein Liebesbeweis, sondern ein lascher Trost für die schäbigen Arbeitsbedingungen der Beamten. Polizisten klagen zu Recht über schrottreife Dienstwagen, über Vorgesetzte, die kaum zuhören, und darüber, dass sie ihre Familien vor lauter Sondereinsätzen kaum noch sehen. Auch die Polizei braucht keine Liebe, sondern Entlastung. Nur wäre die eben teurer als ein Filmverbot.
Es bleibt der Eindruck, dass es bei dem Sicherheitsgesetz, gegen das Zehntausende demonstrieren, nur um ein Symbol geht. Macron wirbt um rechte und konservative Wähler. Damit enttäuscht er nicht nur frühere Anhänger, er schadet auch der Meinungsfreiheit, für die er auf internationaler Bühne so laut kämpft.