Cyber-Sicherheit:Wenn's allen reicht

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Cyber-Sicherheit: Durchaus unsanft hat Innenministerin Nancy Faeser den Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, (hier bei einem Treffen im August) aus dem Amt befördert.

Durchaus unsanft hat Innenministerin Nancy Faeser den Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, (hier bei einem Treffen im August) aus dem Amt befördert.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Innenministerin Faeser wirft Behördenchef Schönbohm raus. Wegen Jan Böhmermanns Enthüllung? Na ja.

Kommentar von Detlef Esslinger

Niemand wird gerne rausgeworfen, erst recht nicht vor den Augen der Öffentlichkeit, und schon gar nicht mit den Worten, dass ihm die weitere Ausübung seines Jobs "mit sofortiger Wirkung untersagt" sei. So gesehen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser am Dienstag dem Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, die maximale Demütigung erteilt. Aber manchmal ist es halt so.

Natürlich war nicht Jan Böhmermann ursächlich für den Schritt. Der ZDF-Präsentator hatte am vorvergangenen Freitag unter anderem dargelegt, dass Schönbohm vor zehn Jahren einen "Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V." gegründet hatte, einen Verein, der in seinem Titel anmaßend, in seinem Wirken jedoch mindestens naiv war. So gab es unter den Mitgliedern eine Firma für Verschlüsselungstechnik, die der russischen Regierung nahesteht. Die Schwarmintelligenz in den deutschen Sicherheitsbehörden wäre sehr niedrig, würden sie dort Jan Böhmermann brauchen, um auf so etwas zu stoßen. Tatsächlich waren ihnen die Firma und deren Technologie schon lange suspekt. Es war einer der vielen Gründe für Schönbohms Rauswurf, dass in der Erinnerung vieler Experten nicht sein BSI intern vor der Firma gewarnt hatte, sondern umgekehrt sein BSI vor der Firma gewarnt werden musste. Alle wussten ja, dass Schönbohm seinem alten e.V. weiterhin verbunden war. Eine Genehmigung für die Teilnahme am Vereinsjubiläum im September hatte er sich im Innenministerium zwar besorgt - aber auf eine solch informelle Art, dass die Zweifel an ihm wuchsen und wuchsen.

Zumal diese immer da waren. Seit Schönbohm vor sechs Jahren vom damaligen Innenminister Thomas de Maizière ernannt wurde, galt er in Fachkreisen als rätselhafte Personalie: ein Diplom-Betriebswirt in einem Amt, in dem man doch technischen Verstand braucht. Sechs Jahre lang wurde gegrummelt. Dann kommt Jan Böhmermann mit seiner Wucht, und allen reicht's. Endlich.

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