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Australien:Facebook zeigt sein Messer

Facebook Australia Restricts News Publishers And Users In Response To Proposed Media Bargaining Laws

Nicht erreichbar: Die Facebook-Auftritt der New York Times in Australien.

(Foto: Getty Images)

Wer kriegt das Geld aus der digitalen Werbung? In Australien eskaliert der Machtkampf zwischen dem Netzwerk und den Medien. Das geht die ganze Welt an.

Kommentar von Jannis Brühl

Am anderen Ende der Welt herrscht eine Art Blackout. Wenn Australier auf Facebook gehen, können sie dort keine Artikel von Medien mehr sehen. Redaktionen im Land können auf der Plattform keine Beiträge mehr veröffentlichen. Der Streit um Medieninhalte in sozialen Netzwerken eskaliert nun in Australien - aber das Problem ist ein weltweites: Facebook und die klassischen Medien scheitern am friedlichen Neben- und Miteinander.

Die Algorithmen des Konzerns haben ganze Arbeit geleistet - und dabei irrtümlicherweise noch Webseiten von Kliniken und Behörden mit Covid-19-Informationen gesperrt. Doch dem Konzern allein die Schuld zu geben, ist zu kurz gedacht. Auf beiden Seiten werden Interessen wahrgenommen. Facebook (und übrigens auch Google) hat selbstverständlich nur solange Interesse an dem von ihm propagierten "offenen, freien Netz", solange es ihnen Geld in die Kasse spült, dank der Werbung, die die Links der Verlage umgibt. Und diese sind nicht die Opfer, als die sie sich ausgeben.

Facebook nimmt, Facebook gibt

Facebook reagiert mit seiner Blockade auf ein geplantes Gesetz, das auf den Einfluss australischer Medienkonzerne zurückgeht. Die Plattformen sollen einen Teil ihrer Einnahmen aus der Verlinkung von Artikeln sowie Filmen abgeben an die Medienhäuser. Tatsächlich leitet Facebook den Medienhäusern auf diese Weise aber auch Leser zu, mit denen die dann ebenfalls Geld verdienen.

Die australischen Regeln sind der weltweit schärfste Eingriff in diesen Konflikt. Facebook handelt nun nach dem alten Motto von Crocodile Dundee, der das kleine Messer eines Angreifers belächelt: "Das ist kein Messer. DAS ist ein Messer!", er zieht seine Klinge, die ganz große. Das soll den australischen Gesetzgeber einschüchtern und verhindern, dass andere Staaten dem Land folgen.

Und wer profitiert? Ausgerechnet Murdoch

Immerhin hat es die australische Politik geschafft, zwei Tech-Konzerne gegeneinander auszuspielen: Google und Facebook. Für den Suchmaschinen-Konzern sind Nachrichten auf seinen Trefferseiten wichtiger als für Facebook. Deshalb hat Google sich mit den Verlagen geeinigt und gibt Geld ab. In Deutschland überweist er einigen Verlage schon für ausgewählte Artikel in seinen Apps Geld; freiwillig - und vorsorglich, um Regeln wie in Australien zu verhindern.

Eine ganz besondere Ironie dort ist: Mit dem Hinweis auf Googles Marktmacht soll nun ausgerechnet an Rupert Murdochs News Corporation Geld fließen. Murdoch hat wie kein anderer von der weltweiten Medienkonzentration der vergangenen Jahrzehnte profitiert. Seine britische Zeitung - News of the World - musste er dichtmachen, weil sie für Schlagzeilen das Recht gebrochen hatte. Sein US-Sender Fox News hat die Verrohung der amerikanischen Politik zum Geschäftsmodell gemacht. Australien ist vor allem dank Murdoch eine der Demokratien mit der höchsten Konzentration im Mediensektor. Nur damit klar ist, wer in dem Land am meisten profitiert.

Der Weg aus dem Problem muss eine selbstbewusste Verlagsbranche sein. Sie sollte den Fall als Anlass nehmen, sich langfristig aus der vermeintlichen Abhängigkeit von den Plattformen zu lösen. Denn auf die ist nicht immer Verlass, wie Facebooks Blackout am anderen Ende der Welt zeigt.

© SZ
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