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Europäische Union:Tagesordnungspunkt Anstand

Die EU will Konzerne zwingen, ihre Steuertricks offenzulegen. Das wäre großartig - und überfällig.

Von Björn Finke

Es heißt ja: Was lange währt, wird endlich gut. Mit Blick auf das EU-Gesetz gegen Steuertricks der Konzerne kann man nur hoffen, dass das stimmt. Bereits 2016 legte die EU-Kommission den Entwurf vor, doch unter den Mitgliedstaaten gab es bislang nicht genug Unterstützung. Jetzt steht die Initiative erneut auf der Tagesordnung eines Ministertreffens. Und es sieht so aus, als kämen die nötigen Stimmen zusammen.

Das wäre hervorragend - und überfällig. Die OpenLux-Enthüllungen haben wieder gezeigt, in welch erschreckendem Ausmaß Konzerne ganz legal Gewinne in Steueroasen wie Luxemburg verschieben. Die neue EU-Regelung würde die Unternehmen zwingen, im Internet aufzulisten, in welchen Ländern sie wie viel Umsatz erzielen und wie viele Steuern zahlen. Bislang erhalten nur Finanzbeamte diese Informationen.

Künftig indes könnten Kunden, Mitarbeiter und Journalisten nachlesen, wie aggressiv einige Konzerne ihre Gewinne verlagern und ihre Steuerlast drücken. Manche Unternehmen würden ihre legalen Tricksereien dann einstellen, aus Sorge um den Ruf. Zugleich würde der Druck auf Steueroasen wie Luxemburg steigen, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Mehr Transparenz könnte so zu mehr Anständigkeit führen.

© SZ
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