Wer Musik in Genres einteilen will, hat im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Die Sinnvollere ist, es bleiben zu lassen. Die andere bedeutet ästhetischen Diskurs, bei dem es manchmal auch um Qualität geht, oft um Haltung und zu oft um Geschmack. Und quasi nie um eindeutige Kriterien. Es wird auch daran liegen, dass Schlager selbst für das „Handwörterbuch der Musikalischen Terminologie“ nur ein „schwer zu umgrenzender Begriff in der neueren Unterhaltungsmusik“ ist. Und laut Brockhaus ein „populäres Unterhaltungs-, Stimmungs- und Tanzlied“ meint. Es wird auch daran liegen, dass sich so schwer sagen lässt, womit man es dieser Tage beim ESC zu tun hat, der in den Fünfzigern aus der Idee eines Schlagerwettstreits entstanden ist. Weil das Wort vor allem in Deutschland aber meist eine Wertung enthält, wehren sich die so Einsortierten regelmäßig. Roland Kaiser etwa betont, dass mit Blick in die Historie „sicher auch Vater und Sohn Strauß in Wien“ darunterfielen. Eine zumindest emotional griffige Definition lieferte zuletzt der Texter Tobias Reitz, der für Helene Fischer gearbeitet hat, für Florian Silbereisen oder Vanessa Mai. Für die meisten sei Schlager „nur Liebe, heile Welt und Party. Und ich entgegne immer: ‚Nein, Schlager ist Sehnsucht.‘“
Österreich gewinnt den ESC: Draußen propalästinensische Proteste, drinnen versuchen zwei Demonstranten beim israelischen Auftritt die Bühne zu stürmen. Szenen aus Basel, wo Party und Politik kaum mehr zu trennen sind.