Die Tätigkeit des kämpfenden Soldaten ist grausam und blutig – vermutlich genau deshalb bemühen sich Heerführer oft um eine Sprache, die technisch daherkommt, das Blutige auf keinen Fall direkt zum Ausdruck bringt und den Truppen ihr Tun mental erleichtern soll. Sie reden dann von „chirurgischen Angriffen“ in einer „Operation“, gar „Mission“ – sowie davon, Gegner „eliminiert“ zu haben. Bei den israelischen Streitkräften gehört dieses Verb inzwischen zum Standardvokabular. Am Dienstagmorgen zum Beispiel teilten sie mit, im Raum Beirut sei der Kommandeur des Hauptquartiers der Hisbollah, Suhail Hussein Husseini, „eliminiert worden“. Von der Wortherkunft kann das etwas bedeuten, das man ohne Weiteres überlebt. In eliminieren steckt das lateinische limen, die Schwelle – wer jemanden eliminiert, setzt ihn über die Schwelle, entfernt ihn damit. Sprachlich gesehen wird der Eliminierte nur an einen anderen Ort gebracht; aber: Beim Militär ist dieser Ort in der Regel das Grab. Israels Streitkräfte sagen praktisch nie, dass sie jemanden „getötet“ hätten, ihre Sprache soll unbefleckt vom Blut bleiben. Immerhin sagen sie, dass es ein Kommandeur war, den sie „eliminierten“, also: ein Mensch.
Aktuelles LexikonEliminieren
Das Verb, das derzeit Israels Streitkräfte fortwährend benutzen. Weil sie ein anderes unbedingt vermeiden möchten.
Von Detlef Esslinger
