El Niño, das Kind oder das Christkind: Das ist ein niedlicher Name für ein Phänomen, das das Klimasystem ganz schön durchrütteln kann. Der Begriff wurde von peruanischen Fischern geprägt, denen oft um die Weihnachtszeit warmes Wasser vor der Küste auffiel. In der Wissenschaft ist die Abkürzung ENSO üblich, El Niño – Southern Oscillation. Der zweite Teil bezieht sich auf Druckveränderungen in den Tropen. Erst in den 1960er-Jahren wurde klar, dass beides Teil desselben Mechanismus ist. Es beginnt damit, dass Ost-West-Druckdifferenzen über dem tropischen Pazifik sinken. Das schwächt die nach Westen wehenden Passatwinde. Dadurch wird warmes Oberflächenwasser nicht wie sonst von der südamerikanischen Küste weggetrieben und durch kaltes Tiefenwasser ersetzt: Der östliche Pazifik vor Peru und Ecuador heizt sich auf. Das kann etwa zu Überschwemmungen in den USA und in Ostafrika führen und zu Trockenheit in Australien. Zudem steigt die globale Durchschnittstemperatur. Ein El Niño tritt normalerweise etwa alle zwei bis sieben Jahre auf. Im Juni hat die US-Wetterbehörde NOAA den Beginn eines neuen El Niño festgestellt. Es könnte ein ungewöhnlich starkes Exemplar werden.
Aktuelles LexikonWas ist ein El Niño?

Das Phänomen kann das Klimasystem ganz schön durchrütteln und tritt normalerweise etwa alle zwei bis sieben Jahre auf – so auch 2026.
Von Marlene Weiß
