Earth Night:Heller Wahnsinn

Alltäglich genutzte Energie erwärmt die Erde

Die Erde bei Nacht (ein aus verschiedenen Satellitenfotos zusammengesetztes Bild).

(Foto: NASA,NOAA/dpa)

Eine Nacht lang das Licht ausschalten - das sollte Anlass sein, es auch die folgenden 364 Nächte zu tun.

Kommentar von Detlef Esslinger

Die "Earth Night" in der Nacht auf diesen Mittwoch ist eine Aktion, die ebenso sinnvoll wie ausbaufähig anmutet. Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Naturschützern, Astronomen und Prominenten. Sie warben dafür, am Dienstagabend von 22 Uhr an alle künstliche Beleuchtung auszuschalten oder zu reduzieren, "für wenigstens eine dunkle Nacht", wie es in ihrem Aufruf hieß. Sinnvoll war die Aktion, weil sich gar nicht genug Gründe aufzählen lassen: Es ist Energie- und CO₂-Verschwendung, nachts alles leuchten zu lassen. Man sieht die Sterne nicht mehr richtig. Man führt Zugvögel in die Irre. Man tötet Milliarden Insekten damit. Der Mensch ist überaus begabt darin, an den Grundlagen des Lebens auch für Zwecke herumzufrickeln, die es eigentlich gar nicht gibt.

Oder gibt es irgendeinen Grund, dass jeweils die ganze Nacht lang Kantinen, Eingänge von Kongresszentren, Büchereien, Spazierwege und Wittelsbacher Brunnen angestrahlt werden? Außer, dass es irgendwie nett ausschaut? Es ist ja interessant, mit welchen Worten manche sich nun dafür loben, mitgemacht zu haben. "Der verantwortliche Umgang mit künstlicher Beleuchtung ist auch uns ein großes Anliegen", teilt zum Beispiel das Münchner Baureferat mit - deshalb sollten dieses Mal 32 Baudenkmäler abgeschaltet werden, und nicht nur sechs wie vergangenes Jahr. Die Betreiber der Dortmunder Westfalenhalle geben an, "ein Zeichen zu setzen" für den sparsamen Umgang mit Strom. Insgesamt erklärten 93 Kommunen und Firmen in Deutschland und Österreich auf der Webseite von Earth Night, dabei zu sein.

Man fasse zusammen: Sie alle halten die Argumente der Aktion offenbar für bestechend. Sie alle dokumentieren durch ihre Teilnahme, dass niemand nachts die Strahler braucht. Was also spräche dagegen, sie ab sofort immer aus zu lassen? Das wäre ein Zeichen. Wer eine Nacht lang ausschaltet, könnte überlegen, ob es auch die nächsten 364 Nächte möglich ist.

© SZ/jsl
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