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Dubai:Ein Mann, der Todesangst verbreitet

(Foto: Karim Sahib/AFP)

Mohammed bin Raschid al-Maktum, Emir von Dubai und Vater von 25 Kindern, hält offenbar seine eigene Tochter als Geisel. Nach deren Hilferuf aus der Gefangenschaft dürfte er sogar im Vereinigten Königreich zur Persona non grata werden.

Von Moritz Baumstieger

Als der Herrscher des Emirats Dubai sich das letzte Mal von einer Frau bloßgestellt fühlte, schrieb er Verse und veröffentlichte sie auf Instagram: "Du Verräterin, Du hast das kostbarste Vertrauen verraten, und Dein Spiel wurde enthüllt", dichtete Mohammed bin Raschid al-Maktoum. Den Namen der Frau, von der es da hieß, "es ist mir egal, ob du lebst oder stirbst", nannte al-Maktum nicht. Da aber seine sechste Ehefrau wenige Tage zuvor - im Juni 2019 - mit zwei gemeinsamen Kindern und angeblich 35 Millionen Euro nach London geflohen war, mussten die Exegeten nicht lange rätseln, wer gemeint sein könnte: Haya bint al-Hussein, die mit al-Maktum seit 2004 verheiratete jordanische Königstochter. Sie sagte, sie verspüre in der Nähe ihres Mannes Todesangst.

Am Wochenende tauchte kein neues Gedicht auf der Seite des Mannes auf, der sich auf Instagram @Sultan41 nennt. Dabei ist al-Maktum, 71, wieder einmal in den Schlagzeilen, wieder erhebt eine Frau aus seiner Familie schwere Vorwürfe gegen ihn. Seine Tochter Latifa, die 2018 filmreif mit einem Jetski aus dem Emirat in internationale Gewässer floh, berichtete in heimlich aufgenommenen und von der BBC vergangene Woche erstmals veröffentlichten Videos davon, gefangen gehalten zu werden - als Geisel des eigenen Vaters. Die Flucht war 2018 missglückt, ein Einsatzkommando des Emirs kaperte das Boot, das Latifa zum Entkommen nutzen wollte.

"Ihre Hoheit wird umsorgt"

Anstelle von Reimen veröffentlichte die Londoner Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, vor wenigen Tagen eine kurze Stellungnahme. "Ihre Hoheit wird zu Hause umsorgt und von ihrer Familie und Medizinern unterstützt", heißt es darin zu Latifa. Die heute 35-Jährige mache "weiter Fortschritte, und wir sind hoffnungsvoll, dass sie zu gegebener Zeit ins öffentliche Leben zurückkehren wird".

Ein Statement, das nicht viele überzeugen wird. Al-Maktum ist bereits im vergangenen Jahr einschlägig verurteilt worden. Damals machte ihn der High Court in London für Entführungen, Folter und Morddrohungen verantwortlich. Geklagt hatte Ehefrau Haya, die Richter sahen es auch als erwiesen an, dass al-Maktum 2018 Latifa und 16 Jahre zuvor ihre Schwester Shamsa der Freiheit beraubt hatte, als die sich in Großbritannien abzusetzen versuchte.

Reisen in die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien, die er lange Zeit so genossen hatte, meidet al-Maktum. Seit er 1965 zur Ausbildung ins Vereinigte Königreich kam, pflegte er eine spezielle Beziehung zu den britischen Inseln. Der Milliardär besitzt dort ausgedehnte Ländereien und den größten Rennstall der Welt. Die Pferde seines Godolphin-Teams gewannen seit den Neunzigern mehr als 6650 Rennen, bei Society-Events wie dem Royal Ascot zeigte sich der Mann, der sonst im traditionellen arabischen Gewand auftritt, gern mit Cutaway und Zylinder.

Der schöne Schein der Glitzermetropole

Die Zeiten mit Smalltalk auf britischen Adelstreffen sind für al-Maktum nun wohl vorbei - wegen der juristischen Probleme, aber auch, weil er im Ausland zur Persona non grata zu werden droht. Zu Hause herrscht er bislang unangefochten. 1971, im Jahr der Unabhängigkeit der Emirate, wurde er Verteidigungsminister des neuen Zusammenschlusses kleiner Fürstentümer am Persischen Golf. 50 Jahre nach der Staatsgründung hat er das Amt noch immer inne, seit dem Tod seines Bruders 2006 ist er zudem noch Premierminister und Vizepräsident.

Die Verwandlung des kleinen Handelsstützpunkts, in dessen Altstadt al-Maktum geboren wurde, in eine Glitzermetropole mit bald 3,5 Millionen Einwohnern hat der Emir maßgeblich mit vorangetrieben. Verbunden damit die ständige Rekordjagd um den höchsten Wolkenkratzer und die luxuriöseste Einkaufsmeile weltweit. Doch die Modernität, die die Skyline seiner Stadt vorspiegeln soll, ist schöner Schein. Privat, so sieht es aus, verfällt der Vater von 25 Kindern immer wieder in die Rolle des Familientyranns.

© SZ/wok
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