Wer Verlauf und Geschichte der Druschba-Pipeline studieren will, muss in die Kantine der Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. An deren Stirnseite ist die Pipeline als Mosaik verewigt, von drei Bohrtürmen an der Wolga bis zur Raffinerie an der Oder, garniert mit allen möglichen Werktätigen. Es ist ein Bild aus Zeiten, in denen Druschba nicht nur „Freundschaft“ hieß, sondern auch dafür stand –zwischen der Sowjetunion und ihren Bruderstaaten.
Ende der Fünfzigerjahre war sie vereinbart worden, schon von 1962 an erreichte sie die Staaten des Warschauer Pakts. Ihr nördlicher Zweig schloss Lettland an, ein mittlerer führte über Polen bis nach Schwedt, ein südlicher führte – über die Ukraine – in die Tschechoslowakei. Auch Ungarn wurde so versorgt. Schon der Bau hatte geostrategische Gründe: Es ging auch um die Versorgung sowjetischer Truppen im Falle einer Blockkonfrontation.
Inzwischen ist das 8900 Kilometer lange Röhrensystem ein Machtmittel Moskaus. Ungarn bezieht darüber, wie die Slowakei, immer noch russisches Öl – und hatte kürzlich den Milliardenkredit an die Ukraine aufgehalten, weil es versiegt war. Die Raffinerie in Schwedt bezieht über die Leitung Öl aus Kasachstan. Noch. Zum 1. Mai will Moskau den Hahn zudrehen.
