USA:Macht euch bereit

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USA: Verheißung oder Drohung? Den ersten Post auf Donald Trumps "Truth Social Network" kann man so oder so verstehen.

Verheißung oder Drohung? Den ersten Post auf Donald Trumps "Truth Social Network" kann man so oder so verstehen.

(Foto: Screenshot: SZ)

Donald Trumps eigenes soziales Netzwerk "Truth Social" ist gestartet. Ist das nur das Spielzeug eines beleidigten Ex-Präsidenten? Oh nein.

Kommentar von Andrian Kreye

Nun ist Donald Trump also mit seinem eigenen sozialen Netzwerk in den App-Stores angekommen. "Truth Social" heißt die App, Wahrheit sozial. Das ist lustig für einen Mann, der eigentlich die Patente fürs Lügen und für asoziales Verhalten in allen Lebenslagen anmelden könnte. Nachdem ihm sämtliche Netzwerke die Konten gesperrt hatten, weil seine Anhänger am 6. Januar vergangenen Jahres das Parlamentsgebäude gestürmt hatten, kündigte er das Netzwerk an. Man könnte sagen, er hat sich nun seinen eigenen Stand auf dem Marktplatz der Ideen aufgebaut. Wird er schon sehen, wie er da weiterkommt.

Allerdings war das Web 2.0 nie nur ein Marktplatz der Ideen, sondern vor allem ein Marktplatz. Und da zeichnet sich doch ab, dass man Trump ernst nehmen muss. Eine Milliarde Dollar sammelte er in der ersten Investitionsrunde für seine neue Medienfirma ein. Das tat er zwar mit wirtschaftsrechtlichen Winkelzügen hart an der Grenze der Legalität, aber eine Zahl mit acht Nullen ist in der digitalen Welt eine Messlatte, an der niemand vorbeikommt. Die nächste dreistellige Millionensumme ist wohl schon unterwegs. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Architekten dieses Web 2.0 buchstäblich keinen Bock mehr haben. Mark Zuckerberg verzieht sich und seine Firma ins sogenannte Metaversum, Jack Dorsey ist bei Twitter ausgestiegen und macht jetzt in Kryptowährungen, die Google-Gründer sind verschollen. Erste Lückenfüller sind schon da. Tiktok für die Jungen, Telegram für die Irren, Signal für die Ängstlichen.

Noch kann man Truth Social von Europa aus nicht erreichen, und auch in Amerika funktioniert es noch nicht richtig. Trumps erste Nachricht war jedenfalls: "Macht euch bereit, euer Lieblingspräsident empfängt euch bald." Nachdem er im Wahlkampf 2024 wieder antreten wird, sollte man das durchaus als Drohung verstehen. Von den 75 Millionen Amerikanern, die ihn 2020 gewählt haben, glauben immer noch viele, er habe gewonnen.

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