Diskriminierung:"Man darf sich nicht ducken"

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Das rassistische Video, aufgenommen an Pfingsten 2024 in einer Bar in Sylt, empörte viele Inselbewohnerinnen und -bewohner. Was sie hier bei einer Demo deutlich zeigten. (Foto: Lea Sarah Albert/dpa)

Muslime, Homosexuelle, Bürgergeldempfänger: Sie alle werden angegriffen und diffamiert. Wie soll man darauf reagieren? Auf der Suche nach einer Antwort bei der Philosophin Hannah Arendt. 

Kolumne von Carolin Emcke

Es gibt Sätze, die leiten und begleiten durchs Leben. Wie Zauberworte lassen sie sich hervorholen in Zeiten der Not, damit sie Orientierung bieten. Und oft auch Trost. Zu diesen Zitaten gehörte für mich immer, was Hannah Arendt im unvergesslichen Gespräch mit Günter Gaus im Jahr 1964 sagte: "Man (kann) sich immer nur als das wehren (...) als was man auch angegriffen ist." Das stimmt, dachte ich stets, in Momenten der Verletzung, in denen eine Person als Angehörige einer kulturellen oder religiösen Gemeinschaft angegriffen wird, kann sie sich nur als solche wehren. Für Arendt hieß das, in Zeiten der "diffamierenden Verfolgung", in der sie als Jüdin angegriffen wurde, sich unbedingt in und mit dieser Identität zu wehren. Was sie nicht explizit aussprach, aber damit einhergeht: sich in dieser jüdischen Identität zu wehren, bedeutet eben auch, sich für andere Jüdinnen und Juden zu verwenden.

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