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Spitzenkandidaten:So geht Linkspartei heute

Susanne Hennig-Wellsow und Amira Mohamed Ali zeigen, wie man auf eine Kandidatur verzichtet, damit am Ende alle gewinnen.

Von Boris Herrmann

Wo Gewinner sind, gibt es meistens auch Verlierer. Wo herausragende politische Posten vergeben werden, kommen Leute zu kurz, die es sich ebenfalls zugetraut hätten herauszuragen. Wenn Parteien ihre Kanzler- und Spitzenkandidaten bestimmen, müssen andere verzichten. Zuletzt waren vielfältige Formen des Verzichts zu begutachten: den hinterherstichelnden Verzicht (Söder) etwa, oder den hinterhertrauernden Verzicht (Habeck).

Ausgerechnet bei der Linken aber, einer Partei, der man unterstellen darf, die Kunst des Ämterverzichts nicht erfunden zu haben, ist nun eine höchst respektable Form des geordneten Rückzugs zu bestaunen. Susanne Hennig-Wellsow und Amira Mohamed Ali, die jeweils eine Hälfte der Doppelspitze von Partei und Fraktion sind, haben geräuschlos ihre Ansprüche auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl zurückgezogen.

Sie machten damit den Weg frei für das Duo Janine Wissler und Dietmar Bartsch. Und zwar ausnahmsweise ohne einen internen Kleinkrieg anzuzetteln, wie es ihn bei der Linken verlässlich gab, als in der Frage noch die Lafontaines, Gysis, Kippings und Wagenknechts mitmischten. Die Partei kann sich nun auf ihre Wahlkampfthemen konzentrieren. Hennig-Wellsow und Mohamed Ali sind nicht die Verliererinnen, sondern die Gewinnerinnen des Tages.

© SZ/kus
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