Aktuelles Lexikon:Lastenfahrrad

Von Paul Munzinger

Ein Lastenfahrrad, der Name lässt es erahnen, ist ein Fahrrad, das sich zur Beförderung von Lasten eignet - zum Beispiel von Kindern, Hunden oder Bierkästen. Zu diesem Zweck haben viele Modelle nicht ein, sondern zwei Vorderräder, zwischen die ein Kasten für die Ladung geklemmt ist. Kastenfahrrad würde sich als Name auch anbieten, analog zum Kastenwagen, dem es ja ebenfalls weniger um Eleganz geht als vielmehr um Geräumigkeit. Im Gegensatz zum Kastenwagen aber braucht es kein Benzin oder Diesel, um das Lastenfahrrad anzutreiben, sondern Muskelkraft oder - immer beliebter - Strom. Weil das besser für die Umwelt ist, wollen die Grünen Lastenfahrräder subventionieren. Von 1000 Euro ist die Rede, was nach einer stolzen Summe für ein Fahrrad klingt; googelt man mal die Preise für so ein Gefährt, ist die Summe schon nicht mehr ganz so stolz. Dem Vorschlag der Grünen folgte die gerade in Wahlkampfzeiten unvermeidliche digitale Gefühlsaufwallung, die immerhin eine Erkenntnis brachte: Die schwerste Last, die so ein Lastenfahrrad zu tragen hat, ist die Last, das Zerrbild eines Milieus zu repräsentieren, nämlich einer vermeintlich abgehobenen städtischen Oberschicht, die ihre Verkehrswende auf dem Rücken hart arbeitender und dabei selbstverständlich Auto fahrender Malocher durchdrücken will. Dabei ist es doch nur ein Fahrrad, das sich zur Beförderung von Lasten eignet.

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