Es kommt öfter vor, dass Fachsprache etwas anderes meint als Alltagssprache. Spricht eine Ärztin vom „fulminanten“ Geschwür, ist das leider nicht bewundernd gemeint. „Rechtsfortbildung“ ist kein Seminar für Juristen. Und eine Diät geht im Alltag mit Verzicht einher – man will entweder abnehmen oder die Ernährung seiner Krankheit anpassen. Diese Diät hat ihren Ursprung im Altgriechischen: in der díaita, der Lebensführung. Wenn hingegen in der Politik von Diäten gesprochen wird, ist Geld gemeint, nämlich das Gehalt von Abgeordneten. Es wird als Diät bezeichnet, hier liegt der Ursprung im Französischen. Diète ist dort seit Jahrhunderten auch der Ausdruck für ein Parlament: Im Deutschen musste Martin Luther zum Reichstag nach Worms, im Französischen zur diète dorthin. Die Diät fußt auf der Annahme, dass Abgeordnete ihrem eigentlichen Beruf nicht nachgehen können. Damit sie ihr Auskommen haben, erhalten sie eine Diät. Deren Höhe legen sie selbst per Gesetz fest, gemäß einem Auftrag des Bundesverfassungsgerichts von 1975. Für den 1. Juli war eine Erhöhung vorgesehen, aber nun ist auch Unionsfraktionschef Jens Spahn dafür, darauf zu verzichten.
Aktuelles LexikonWarum erhalten Abgeordnete eine Diät?

Ihr Gehalt heißt nicht Gehalt, sondern Diät: die Abgeordneten des Bundestags.
Kay Nietfeld/dpaAuch so ein Ausdruck, der in der Fachsprache etwas ganz anderes bedeutet als in der Alltagssprache.
Von Detlef Esslinger