Bahnstreik:Der GDL geht es hauptsächlich um ihre Macht

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der GDL, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, informiert bei der Pressekonferenz

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der GDL, will weiter streiken.

(Foto: imago images/Mauersberger)

Die Lokführer bestreiken die Bahn. Der wahre Gegner aber ist das Tarifeinheitsgesetz, das ihnen im Weg steht. Einen Arbeitskampf rechtfertigt dieses Anliegen aber nicht.

Kommentar von Henrike Roßbach

Streiks stören die Produktionsabläufe in minutiös getakteten Fabriken, den auf Kante genähten Alltag berufstätiger Eltern oder die Pläne von Urlaubern und Pendlern. Streiks kosten die Betriebe Geld und die Kunden Nerven. Doch genau das ist der Witz: Ein Streik, der nicht wehtut, ist keiner, und ohne das Druckmittel Arbeitskampf stünden die Arbeitnehmer im Kräftemessen mit den Arbeitgebern ziemlich armselig da.

Trotzdem ist nicht jeder Streik gleich legitim. Als vor sechs Jahren die Kitas lange bestreikt wurden, waren die Eltern zwar irgendwann ziemlich sauer. Trotzdem hatten viele Verständnis und ein Interesse daran, dass diejenigen, die ihre Kinder betreuen, gut bezahlt werden. Die Lokführer dagegen, die nun schon wieder das Land lahmlegen, dürften auf deutlich weniger Verständnis stoßen.

Denn tatsächlich geht es der Gewerkschaft GDL vor allem anderen um den Ausbau ihrer Macht im Bahn-Konzern und um Mitgliederwerbung dort, wo sie schwächer ist als die Konkurrenzgewerkschaft EVG. Der wahre Gegner der GDL ist das Tarifeinheitsgesetz, das ihrem Machtstreben im Wege steht. Über das Gesetz lässt sich in der Tat streiten. Ein Streik dagegen aber ist ein unzulässiger politischer Streik - auch wenn er unter dem Deckmantel einer Tarifauseinandersetzung geführt wird.

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