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Demo der "Querdenker":Verheerendes Signal

In Kassel haben Corona-Leugner wieder einmal die Polizei vorgeführt. Der Staat war trotz vorhersehbarer Verstöße nicht fähig, seine eigenen Corona-Regeln durchzusetzen.

Von Matthias Drobinski

Knallhart ist sie vorgegangen, die Polizei, am Wochenende in Kassel, hat Frauen und Männer samt ihrer Fahrräder von der Straße geschubst, die sich dem Zug sogenannter Querdenker in den Weg stellen wollten. Dass der Pulk der Corona-Leugner in organisierter Verantwortungslosigkeit massenhaft gegen Maskenpflicht und Abstandsgebot verstieß, dass es Gewalt gegen Polizisten und Journalisten gab? Das hat bei ebenjener Polizei zu resigniertem Achselzucken geführt: Kann man nichts machen. Die waren zu viele.

Vielleicht stimmt es sogar, dass es viele Verletzte gegeben hätte, hätte die hoffnungslos unterlegene Polizei den Zug der 20 000 aufgelöst. Dann fragt man sich aber nicht weniger fassungslos: Wie konnte es dazu kommen? Hat niemand gemerkt, wie bundesweit dazu aufgerufen wurde, den Staat und seine Verordnungen vorzuführen? Hat sich niemand vorstellen können, dass auch in Kassel passieren kann, was in Berlin, Leipzig, Dresden geschah?

Das Signal jedenfalls ist verheerend. An diesem Montag wird die Ministerpräsidentenkonferenz samt Kanzlerin an das Volk appellieren, noch einmal Disziplin zu zeigen, um Gesundheit und Leben von Menschen zu schützen. Doch wenn in Kassel 20 000 Menschen auf die Regeln des Staates pfeifen können - warum sollen sich die anderen noch an sie halten?

© SZ
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