Zuschauer im Stadion:Viel zu voll

Eine Studie aus Großbritannien zeigt, wie stark die Finaltage der Fußball-EM als Infektionstreiber wirkten. Doch zugleich legen die Ergebnisse nahe, dass Sportveranstaltungen mit vielen Zuschauern funktionieren können - mit Einschränkungen.

Von Johannes Aumüller

Die Final-Spiele der Fußball-EM im Juli in London waren wohl ein Super-Spreader-Event. Die erste Studie im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde zeigt, dass sich mehrere Tausend Menschen infizierten. Angesichts der damaligen Szenen überrascht dieses Ergebnis nicht. 60 000 Fans waren auf der Tribüne von Wembley, Zehntausende feierten auf der Straße. Die Gestaltung der Finalrunde war ein großer Fehler. Zu viele Fans waren im Stadion, die versprochene Kontrolle - nur Geimpfte, Genesene, Getestete kommen rein - wohl löchrig.

Geht es um die Folgen, lohnt aber ein zweiter Blick. Die Autoren betonen die Besonderheit der Finaltage, vor allem die Euphorie ob des ersten möglichen englischen Titels seit 1966. Sie untersuchten im Sommer auch andere (Sport-)Events mit viel Publikum und stellten kaum Auffälligkeiten fest: Das galt für Tennis in Wimbledon vor ausverkauftem Haus, für Golf-Turniere, aber auch in der EM-Vorrunde, als noch wenige Fans dabei waren und Englands Rausch fern.

Diese Erkenntnisse sind auch wichtig für die aktuelle Debatte in der Fußball-Bundesliga. Derzeit sind bis zu 50 Prozent Auslastung und 25 000 Fans erlaubt. Die britische Studie zeigt, dass bei vorsichtigem und angemessenem Verhalten manches möglich ist. Sie legt aber auch nahe, dass aus der Liga ertönende Forderungen nach vollen Stadien weiter unangemessen sind.

© SZ
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