Coronavirus:Miss Germany auf Impf-Mission

Anja Kallenbach, Miss Germany 2021

Ohne Glitzerkrönchen: Anja Kallenbach, fotografiert bei ihrer Wahl zur "Miss Germany " am 27. Februar 2021.

(Foto: Imago)

Anja Kallenbach, Betriebswirtin, Fahrradhändlerin und amtierende Miss Germany, will die deutsche Impfkampagne wieder in Schwung bringen.

Von Angelika Slavik

In dem Moment, in dem sich das Leben von Anja Kallenbach grundlegend verändert hat, trug sie weder einen Bikini noch ein Abendkleid. Das ist bemerkenswert, weil sie in diesem Moment zur "Miss Germany" gekürt wurde, ein Titel, der jahrzehntelang ja nichts anderes war als ein Bikini-Abendkleid-Ranking, eine Art Gütesiegel für Cellulite-Freiheit und Kohlenhydratverzicht. Anja Kallenbach sagt, dass sie bei dieser Wahl niemals mitgemacht hätte, wenn das immer noch so wäre. Aber seit zwei Jahren gebe es ein neues Konzept bei der Miss-Wahl, nun stehe die Miss Germany nicht mehr für Äußerlichkeiten. "Es geht nicht mehr darum, die Schönste zu sein, es geht vor allem darum, eine Message zu haben." Deshalb gewann sie ihren Titel in einem dunklen Hosenanzug. Sie bekam nicht einmal ein Glitzerkrönchen.

Das war im Februar, und seither arbeitet die Betriebswirtin Kallenbach, 34, an dieser Sache mit der Message. Eigentlich sei ihr Hauptthema, junge Mädchen für Sportarten zu begeistern, die im Alltag oft immer noch den Jungs vorbehalten zu sein scheinen, sagt sie. Mountainbiken, Rennsport, Fußball. Aber neuerdings hat sie noch eine andere Botschaft: Sie ist eines der Testimonials für die neueste Impfkampagne von Bundesregierung und Einzelhändlern. Miss Germany soll Deutschland zum Impfen motivieren.

"Ich will es niemandem vorschreiben, nur dazu anregen."

"Ich sehne mich nach Unbeschwertheit, Sicherheit und einem ganz normalen Leben - genauso wie's vor Corona war", sagt Kallenbach in einem Video der Kampagne, die unter dem Motto "Leben statt Lockdown" läuft. Es sei gleich klar gewesen, dass sie die Aktion unterstützen wolle, da habe sie nicht lange überlegen müssen, sagt sie - obwohl sie die Sorgen vieler Menschen selbst gut verstehen könne. Vor ihrer eigenen Impfentscheidung etwa habe sie durchaus auch mit sich gerungen. Einem neu entwickelten Impfstoff zu vertrauen sei nicht einfach. Schließlich habe sie sich zunächst vor allem aus pragmatischen Gründen für die Impfung entschieden. Sie sei gerne auf Reisen, habe beruflich viele Kontakte, da sei es "ganz einfach praktischer". Mittlerweile aber sei sie zu dem Schluss gekommen, sagt Kallenbach, dass die Impfung der einzige Weg aus der Pandemie sei. Eine Impfpflicht befürworte sie deshalb aber nicht. "Es ist immer noch eine persönliche Entscheidung. Ich will es niemandem vorschreiben, ich will nur dazu anregen." Ihre Botschaft sei: "Ich habe es gemacht, es geht mir gut, ich hatte auch keine schlimmen Nebenwirkungen. Ich kann es wirklich nur empfehlen."

Kallenbach stammt aus Thüringen, hat zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren. Mit ihrem Lebenspartner betreibt sie in ihrer Heimat zwei Fahrradgeschäfte. Allerdings sei sie seit dem Sieg bei der Miss-Germany-Wahl nur noch selten selbst im Laden - Deutschlands Aushängeschild zu sein ist auch in Pandemiezeiten eine zeitintensive Aufgabe. In ihren Kalender sollen nun noch Termine rund um die Impfkampagne passen: Interviews, Auftritte, vielleicht die eine oder andere Talkshow. Die deutsche Impfkampagne hat ja auch jede Hilfe nötig - seit Wochen kommt die Impfquote kaum vom Fleck.

Die Pandemie hat Kallenbach in ihrer Rolle als Miss Germany unerwartete neue Aufgaben beschert. Sie habe ihr aber auch alte geraubt, sagt sie. Ihre Vorgängerinnen etwa seien beim Semperopernball gewesen, hätten Kirmes-Auftritte absolviert und seien für Firmenfeiern gebucht worden. Vieles davon falle wegen Corona weg. Ein finanzieller Verlust, klar, "aber vor allem wollte ich diese Dinge erleben, den Moment auskosten. Dabei geht es nicht ums Geld." Auch deshalb hoffe sie, dass die Impfkampagne nun schnell in Schwung komme. "Wenn das Leben wieder normal wird, kann ich mein restliches Jahr als Miss Germany vielleicht auch noch genießen."

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