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Pro: Wechselunterricht:Mittel gegen die Angst

Maskenpflicht an Schulen

Schild in einer Berliner Grundschule.

(Foto: dpa)

Der hybride Unterricht ist eine flexibel handhabbare Lösung, um den Gefahren der Coronapandemie zu begegnen - auch wenn manche so tun, als wäre er ein Horror. Schulen müssen selbst entscheiden können, was für ihre Schüler gut ist.

Kommentar von Susanne Klein

Dem Wechselunterricht wird bisweilen das Image einer Horrorvision verpasst, nur eine Stufe vorm Shutdown. Das ist undifferenziert und gefährlich. Schulen und Lehrer wollen weniger Zwang zum hundertprozentigen Präsenzbetrieb, doch die Bildungspolitik antwortet mit dem Vorschlaghammer. Klassen zu teilen und abwechselnd auf Distanz und vor Ort zu unterrichten, erlaubt sie nur als letzte Notlösung: dann nämlich, wenn eine Schule von der Pandemie personell so gebeutelt ist, dass sie vor der Schließung steht.

Schülerinnen und Schüler erleben das Chaos vor Ort

Doch der hybride Unterricht ist kein Horror. Er ist allemal besser, als eine Schule schließen zu müssen, weil man zu lange so getan hat, als ließe sich das Coronavirus draußen halten. Dabei dringt es ein und pflanzt sich fort, wie die jüngsten Zahlen zeigen. An diesem Freitag meldete das Robert-Koch-Institut nicht nur den traurigen Rekord von mehr als 23 500 Neuinfektionen in Deutschland. Es registriert zudem seit Tagen vermehrt Ausbrüche in Schulen und bedrohlich hohe Infektionszahlen unter Zehn- bis 19-Jährigen. Auch Eltern, Schüler und Lehrer registrieren das, und vielen macht es Angst.

Denn anders als die hohe Politik sind sie hautnah im Geschehen, das oft chaotisch ist. Mal muss nur ein infizierter Schüler in Quarantäne, mal auch der Sitznachbar, mal die ganze Klasse. Mal wird viel getestet, mal kaum. Mal kriegen Lehrer FFP2-Masken, mal nicht. Mal wird von Luftreinigern abgeraten, mal Geld dafür bereitgestellt. Mal sind Masken im Unterricht Pflicht, mal nicht. Viele tragen sie dann freiwillig, weil sie im Klassenraum kaum Abstand halten können.

Die Politik gängelt die Schulen

Jeden Tag heißt es in den Medien: Haltet Abstand voneinander! Nur für Schüler und Lehrer gilt das nicht. So viel Mut zum Risiko darf man sich nicht länger leisten. Vor allem in den weiterführenden Schulen steigen die Zahlen. Wer jetzt noch behauptet, Schulen seien generell keine Pandemietreiber, begibt sich auf dünnes Eis. Flacht der Trend nicht sehr schnell ab, wird das Argument einbrechen.

Die Kultusminister handeln inkonsequent und unfair. Als sie ihre Hygienestufenpläne schrieben, galt der Wechselunterricht als selbstverständliches Szenario bei der Pandemie-Eindämmung. Davon wollen sie jetzt nichts mehr wissen. Der Schlachtruf "Schulen müssen offen bleiben" zählt mehr. Doch der Wechselbetrieb wäre immer noch ein Mittel der Prävention: Er schützt vor dem kompletten Erliegen des schulischen Alltags. Und isolierte Lehrer wären weiter beteiligt. Die Minister moderieren das ab: Man habe im Frühsommer gesehen, dass beim Fernlernen nicht alles so läuft, wie es soll. Moment mal: Hatten sie nicht kürzlich noch gelobt, dass Schulen und Lehrkräfte enorm viel dazugelernt hätten?

Statt Schulen zu klugen, flexiblen Lösungen zu ermuntern, verdonnert man sie zum Präsenzbetrieb um jeden Preis. Selbst wenn sich eine Schulgemeinschaft samt Eltern- und Schülerrat für das Hybridmodell entscheiden will - sie darf es nicht. Im pandemiegeplagten Solingen wollten weiterführende Schulen so verhindern, dass das Virus sich bei ihnen so breitmacht, dass sie schließen müssen. Die nordrhein-westfälische Schulministerin hat diesen Modellversuch verboten. So erstickt man Initiative und ersetzt Unterstützung durch Gängelei. Alles für einen Plan, von dem im Moment keiner wissen kann, ob er aufgeht. Die Schulen sollen offen bleiben? Dann brauchen sie die Freiheit, dafür zu sorgen.

© SZ
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