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Pandemie:Arm macht krank

Endlich geraten auch soziale Risikogruppen in den Blick. Aber Vorurteile gegenüber Migranten sind fehl am Platz.

Von Christina Berndt

Für das Virus seien alle gleich, hieß es zu Beginn der Pandemie. Aber das stimmt so nicht. Das Virus schnappt sich, wen es kriegen kann. Und es kann jene Menschen leichter packen, die sich nicht ins Home-Office zurückziehen können. Insofern ist es gut, dass jetzt in der Öffentlichkeit auch über soziale Ungleichheit in der Pandemie diskutiert wird - über die größere Gefahr armer Menschen, sich zu infizieren, ins Krankenhaus zu kommen und gar daran zu sterben.

Was aber nicht gut ist: Wenn manchen sozialen Gruppen, etwa Menschen mit Migrationshintergrund, die Schuld für ihre womöglich höhere Vulnerabilität gegeben wird. Wer so tut, als würden alle Migranten trotz besseren Wissens Hochzeiten mit Hunderten Menschen feiern, und zugleich die Vorkommnisse in Tirol oder Tirschenreuth vergisst, schürt nicht nur Vorurteile. Er verwechselt auch Ursache und Wirkung. Wer arm ist, arbeitet und wohnt unter Bedingungen, die es dem Virus leicht machen. Wer Migrant ist, ist eher arm.

Es gilt, neben Hochbetagten und Vorerkrankten auch soziale Risikogruppen der Pandemie besser zu schützen. Seit Jahrzehnten schon sind Arme in Deutschland häufiger krank und verlieren viele Lebensjahre. Corona bietet die Chance, dieses vernachlässigte Thema anzupacken.

© SZ/jok
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