Corona:Der Preis der Unfreiheit

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Chinas Propaganda hat ihr eigenes Spiel im Umgang mit der Pandemie getrieben. Das ging lange gut - doch durch die Omikron-Variante wird sich das nun bitter rächen.

Von Lea Sahay, Peking

Bislang hat die Null-Covid-Strategie in China funktioniert. Immer wieder mussten zwar ein paar Unglückliche in Quarantäne, für die Mehrheit der Chinesen ist jedoch seit Sommer 2020 die Normalität weitestgehend zurückgekehrt. Infektions- und Todeszahlen sind fast nirgendwo so gering wie in China. Mit der Ankunft von Omikron droht dieser Erfolg nun jedoch in Gefahr zu geraten. Die noch leichter übertragbare Omikron-Subvariante BA.2 lässt die Fallzahlen explodieren. Die vielen asymptomatischen Fälle machen es fast unmöglich, das Virus wieder einzufangen.

Eine schnelle Ausbreitung könnte viele Menschenleben kosten, Chinas Gesundheitssystem dürfte einem Ansturm nicht standhalten. Landesweite Lockdowns bedrohen indes die Wirtschaft und Lieferketten weltweit. Das Problem: Die Impfquote ist zwar höher als in Deutschland. Doch die bringt wenig, wenn die Vakzine keinen guten Schutz bieten. Darauf deuten zahlreiche Studien jedoch hin.

Viele Ältere sind zudem nicht geimpft und ausländische Impfstoffe aus politischen Gründen nie zugelassen worden. Gezielt hat die Propaganda ihre Sicherheit infrage gestellt. Die Konsequenzen trägt nun die Bevölkerung. Um einen Weg aus der Isolation zu finden, müsste Chinas Führung das Vertrauen in ausländische Impfstoffe und mögliche Medikamente stärken. Passiert ist das bisher nicht.

Auch wenn der Unmut wächst, noch ist die Unterstützung für die rigorose Politik groß, die Angst vor einer Infektion riesig. Monatelang hat Peking die Ausbrüche im Ausland zu politischen Zwecken missbraucht und Debatten über verhältnismäßige Maßnahmen zu seinen Interessen verzerrt. Für eine langfristige Exit-Strategie müsste das Land auf Tests, Abstandsregeln, vor allem aber auf wirksame Impfstoffe setzen. Anstelle von totaler Kontrolle bräuchte es Vertrauen und Eigenverantwortung, damit die Menschen Fallzahlen auf einem niedrigen Niveau akzeptieren. Vorbereitet sind sie darauf bisher nicht.

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