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Modellregionen:Land der Freiwilligen

Anstatt einzelne Regionen herauszugreifen, sollten die Corona-Maßnahmen jeweils dort gelockert werden, wo das Virus unter Kontrolle ist. Strategien dafür gibt es längst.

Von Christina Kunkel

Die Zahl der Neuinfektionen erreicht den höchsten Wert seit Mitte Januar und trotzdem reden alle von Öffnungen. Das Saarland will gleich überall aufmachen nach Ostern, in anderen Bundesländern schreit eine Stadt nach der anderen, man möge doch bitte sie auswählen als Modellregion, in der experimentell gelockert wird.

Dabei braucht es keinen Flickenteppich aus einzelnen Modellregionen, wo dem Restaurantbetreiber nicht vermittelbar ist, warum bei ihm immer noch kein Gast auf der Terrasse einen Cappuccino trinken darf, während jetzt alle zum Speisen in der Sonne in den Nachbarort fahren. Stattdessen gibt es schon längst Stufenpläne, die Lockerungen an das örtliche Infektionsgeschehen koppeln - aber eben auch eine Rücknahme, wenn die Zahlen wieder gewisse Grenzwerte übersteigen. Übrigens ist genau das der Ansatz der No-Covid-Strategie, die weitgehende, aber regional begrenzte Öffnungen dort vorsieht, wo man das Virus unter Kontrolle hat. Auf die wollten sich Bund und Länder nicht einigen. Genau das sollte aber der Maßstab sein, nach dem man wieder mehr ermöglicht oder auch nicht.

Dass dafür kostenlose, flächendeckende Tests und eine funktionierende Kontaktnachverfolgung nötig sind, steht außer Frage. Aber jetzt einzelne Orte herauszugreifen, führt nur zu Neiddebatten und im schlechtesten Fall zu Experimenten, die kläglich scheitern.

© SZ
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