MeinungCoronaEtwas mehr Rücksicht, bitte

Von Vera Schroeder

Lesezeit: 1 Min.

Menschen mit Vorerkrankungen sind durch das Ende der Maßnahmen einem höheren Risiko ausgesetzt - und nun selbst verantwortlich für ihren Schutz. Das ginge besser.

Deutschland lockert seine Corona-Maßnahmen - während die Infektionszahlen steigen. Auch wenn die Regeln vielerorts auf Länderbeschluss erst mal beim Alten bleiben, das Zeichen ist klar: Die Pandemie möge zu Ende gehen. Die kollektive Gruppenaufgabe Pandemiebekämpfung und Rücksicht auf die besonders Gefährdeten ist abgeschlossen. Der Schutz vor einer Infektion geht in die Verantwortung der Einzelnen über, die ja ihre Masken gerne aufbehalten können, aber zwingen will man sie nicht mehr.

Für Menschen, für die eine Covid-Infektion aufgrund einer Vorerkrankung besonders gefährlich ist, beginnt damit ebenfalls eine neue Phase der Pandemie: Während sich der Handlungsspielraum der Mehrheit vergrößert, verkleinert sich ihr eigener. Wenn in öffentlichen Räumen keine Maskenpflicht mehr herrscht, wird Einkaufen für sie gefährlicher, auch der Schulbesuch, der Ausflug ins Museum oder das Treffen mit der Freundin, die gerade im Museum war. Besonders in Anbetracht der aktuellen Inzidenzen müssen sie ihre individuellen Schutzmaßnahmen hochfahren, um auszugleichen, was die Allgemeinheit nicht mehr leisten will.

Nötig wäre, dass die Mehrheit ihre Gewohnheiten ändert

Dass Menschen etwa mit einem schwachen Immunsystem selbst verantwortlich sind für den Schutz, den sie brauchen, ist dabei freilich nicht erst seit Corona so. Außer Frage steht auch, dass es nicht ohne gewisse Gewohnheitsänderungen der Mehrheit ginge, daran etwas zu verändern, also zum Beispiel eine Debatte darüber zu führen, ob man Orte wie etwa Apotheken oder Arztpraxen nicht zu generellen Schutzräumen mit grundsätzlicher Maskenpflicht erklären könnte.

Frustrierend ist, dass die Pandemie kein Anlass geworden ist, um diese Diskussionen zu führen. Erschreckend ist die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Gesellschaft die Interessen der Mehrheit vor dem Schutz der Schwächeren priorisiert - und dass viel zu selten die Frage gestellt wird, ob das an der ein oder anderen Stelle nicht auch anders ginge.

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