Corona-Impfung:Ein echter Spahn. Schon wieder

FILE PHOTO: Picture illustration of vials with Pfizer-BioNTech and Moderna coronavirus disease (COVID-19) vaccine labels

Die Corona-Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna bieten gleichermaßen einen hohen Schutz bei geringem Risiko.

(Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Hat der Gesundheitsminister auf Abruf eigentlich Berater? Und überlegt er sich vorher, was er sagt? Der CDU-Politiker schafft es erneut, ohne Not die Menschen zu verunsichern und die Ärzte zu verärgern.

Kommentar von Werner Bartens

Jetzt geht es wieder los wie beim Autoquartett. Wer hat welchen Trumpf auf der Hand, wer bietet mehr? Lässt die Wirkung des mRNA-Impfstoffs von Biontech nach sechs Monaten stärker nach als jene des mRNA-Impfstoffs von Moderna? Ist eine Booster-Impfung mit dem einen oder dem anderen Vakzin eher zu empfehlen? Es ist wie im Frühjahr, als sich die halbe Republik Prozentangaben einprägte und bemühte, Impfstoffe anhand ihrer Wirksamkeit auseinanderzuhalten. Zwischenfrage: Hat sich zuvor jemand dafür interessiert, wie die Wirksamkeit der Impfungen gegen Polio, Tetanus oder Masern ist?

Zur Beruhigung: Alle zugelassenen Impfstoffe schützen für etliche Monate vor schweren Krankheitsverläufen. Nebenwirkungen der Impfung sind extrem selten - von 100 000 Geimpften bekommen drei eine Herzmuskelentzündung, und diese sind bisher glimpflich verlaufen. Insofern sind die Impfstoffe, die für die dritte Spritze empfohlen werden (wie auch jene für die erste und zweite), wirksam und sicher. Ein günstigeres Nutzen-Schaden-Profil findet sich kaum für andere Medikamente oder Impfstoffe. Wer Beipackzettel und Fachliteratur studiert, erkennt das. Auch vermeintlich harmlose Mittel wie Aspirin oder Hustensaft schneiden in dieser Hinsicht nicht besser ab.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat es trotzdem mal wieder geschafft, die Menschen mit seiner jüngsten Äußerung zu verunsichern und Ärzte zu verärgern. Ähnlich wie mit seiner Ankündigung im Frühherbst, dass die epidemische Notlage beendet werden könne, ist seine Kommunikation auch diesmal misslungen. Ohne Not sprach Spahn von einer Verknappung der Biontech-Vakzine und erwähnte, dass die Moderna-Impfstoffe nicht mehr lange haltbar seien.

Ein weiterer Tiefpunkt in der an Pannen reichen Krisenkommunikation

Das ruft Reflexe hervor wie im Schlussverkauf und beim Restaurantbesuch: Schnell, schnell, sichert euch das rare Gut - und lasst euch nicht auftischen, was bald weg muss. Hat der Mann eigentlich Berater? Und überlegt er sich vorher, was er sagt?

Fachlich stimmt es, dass beide Impfstoffe ähnlich gut sind. Jüngste Daten zeigen sogar leichte Vorteile von Moderna. Trotz beachtlicher Vorräte und Lieferumfänge das Präparat von Biontech und damit den Lieblingsimpfstoff der Deutschen als schwer erhältliche Rarität darzustellen und das Vakzin von Moderna wie saure Milch anzupreisen, ist ein weiterer Tiefpunkt in der an Pannen nicht armen Krisenkommunikation des Noch-Ministers.

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