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Impfrisiken:Entwarnung - bis auf Weiteres

Corona-Impfung: Eine Spritze mit einem Covid-19-Vakzin in einer Schale

In Deutschland sind inzwischen mehr als 40 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft worden.

(Foto: AP)

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfungen mit dem Biontech-Vakzin und Herzmuskelentzündungen ist nicht belegt - und sollte auch nicht herbeigeredet werden.

Kommentar von Werner Bartens

Die Medizin kann nichts ausschließen. Nebenwirkungen und seltene Komplikationen sind bei jeder Intervention möglich, ob Operation, Medikamentengabe, Test oder eben Impfung. Das kommt nicht nur bei neuen Verfahren vor, sondern auch bei Klassikern der Behandlung. Sogar an der Einnahme von Aspirin sterben jedes Jahr Dutzende, wenn nicht Hunderte von Menschen. Ein Restrisiko bleibt immer. Deshalb ist es so wichtig, dass alle medizinischen Eingriffe und ihre Folgen engmaschig überwacht und dokumentiert werden.

Diverse Behörden und Instanzen kontrollieren in diesem Land das Handeln der Ärzte, und daher muss bis auf Weiteres Entwarnung gegeben werden, was das Risiko einer Myokarditis nach Impfung mit dem Biontech-Vakzin angeht.

In Deutschland sind inzwischen mehr als 40 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft worden, mehr als 22 Millionen haben auch die zweite Impfung erhalten; die meisten mit Biontech-Impfstoff. Beim Paul-Ehrlich-Institut liegen bisher 92 Verdachtsfälle auf Entzündungen des Herzmuskels oder -beutels vor. Ein Verdacht wohlgemerkt, keine Bestätigung. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht belegt. Das Paul-Ehrlich-Institut als zuständige Behörde für die Sicherheit von Impfstoffen sieht kein auffälliges "Signal", sprich: keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Myokarditis nach der Impfung.

Eine Myokarditis kann Hunderte Ursachen haben

Die Unterschiede in der Größenordnung verdeutlichen bereits die eklatante Kluft zwischen bewiesenem Nutzen und spekulativem Risiko. Zudem kann eine Myokarditis Hunderte von Ursachen haben. Dutzende Erreger, meist virale, können die Entzündung auslösen, genetische Faktoren, auch Alkohol, Drogen und Medikamente. Häufig verläuft das Leiden milde oder unbemerkt und bleibt harmlos.

Die Medien haben hier eine besondere Verantwortung. Den Scheinwerfer auf ein Thema zu richten, erhöht die Aufmerksamkeit dafür. Die in Teilen der Bevölkerung sowieso vorhandene Unsicherheit gegenüber der Impfung und die Verunsicherung durch entsprechende Berichte können den Hang zur Selbstbeobachtung verstärken. Ein fataler Mechanismus, denn von vielen Leiden ist bekannt, dass sie häufiger auftreten oder als Verdachtsdiagnose auftauchen, wenn sie öfter in der Öffentlichkeit vorkommen. Derlei Berichterstattung ist aber nur gerechtfertigt, wenn Zusammenhänge belegt und Warnungen begründet sind. Bis dahin heißt es, aufmerksam und wachsam bleiben, sich irritieren lassen - aber nicht unnötig Ängste schüren.

© SZ/kus
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