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Corona:Bloß nicht

Wer sich Vorrang beim Impfen verschafft und Kritik daran als Neid abtut, dem fehlt es an Manieren - und einem Verständnis davon, was Solidarität wirklich bedeutet.

Von Cornelius Pollmer

Lange nicht so unverschämten Unsinn gehört wie in dieser Woche von manchen deutschen Kommunalpolitikern und anderen Vergabeprofis. Gemeint sind jene, die sich "spontan" impfen ließen in einer Zeit, in der Impfstoff noch immer bitter fehlt und in der Menschen einfach nicht mehr können, weil sie seit Monaten daheim im Virusarrest sitzen und Angst um alles Mögliche haben, zum Beispiel um ihre oft noch nicht geimpften Ü60/70/80-Eltern.

In diesem Land also begünstigen einige Amtsträger erst ein systemisches Problem, indem sie ihre gewiss schwierige Arbeit nicht gut machen und das Impfen mangelhaft organisieren. In der Folge gefährden dieselben Leute mit willkürlich entworfenen Listen oder über "Zufallsgeneratoren" einen ohnehin waghalsigen Versuch der Solidarität. Es gibt bundesweit klare Priorisierungsregeln, um so etwas wie Restgerechtigkeit in der Vergabe eines noch knappen Gutes zu schaffen. Wer anfängt, davon abzuweichen, kann kein logisches Ende finden und kommt moralisch in den Morast.

Schließlich, und spätestens das ist wirklich nicht mehr zu fassen, spielen sich einige der Impfdrängler in ihrer Hybris sogar als Helden auf. Hätten sie sich nicht impfen lassen, wäre die Dosis verfallen! Gütiger Himmel. Es ist kein Neid, wenn man festhält: Wer erst schlecht organisiert und davon auch noch persönlich profitiert, von dem will man nie wieder Solidaritätsappelle hören.

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