MeinungGewalt gegen FrauenMit dem Fall Fernandes tut sich ein existenzieller Abgrund auf

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Kommentar von Meredith Haaf

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Seit Collien Fernandes ihren Fall öffentlich gemacht hat und der ersten Demonstration gegen sexualisierte Gewalt an diesem Sonntag in Berlin sind keine vier Tage vergangen.
Seit Collien Fernandes ihren Fall öffentlich gemacht hat und der ersten Demonstration gegen sexualisierte Gewalt an diesem Sonntag in Berlin sind keine vier Tage vergangen. Carsten Koall/dpa

Mehr Schutz und härtere Strafen sind schon einmal gut im Kampf gegen Missbrauch. Aber all das ist nichts ohne Präventionsarbeit und Bildung. Und daran wird gerade gerne gespart.

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Für viele Menschen, die sich seit Donnerstag mit dem jahrelangen und vielschichtigen Missbrauch beschäftigen, wie ihn die Moderatorin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, tut sich gerade so etwas wie ein existenzieller Abgrund auf. Er ist tiefschwarz und er weckt schmerzhafte Gefühle: Angst, Wut und letztlich auch tiefe Entfremdung, die vor allem Frauen inzwischen empfinden.

Es ist einfach zu viel gewesen. Seit Monaten die tägliche Lektüre zum patriarchalen Missbrauchsapparat von Jeffrey Epstein; der Fall Pelicot, der P.-Diddy-Prozess; die laut BKA steigende Zunahme häuslicher und sexueller Gewalt; die Existenz der widerwärtigen, frauenfeindlichen Musk-KI Grok und die offenbar stramme Nachfrage nach Programmen, um vor allem Frauen und Kinder virtuell zu entkleiden. Und dann wäre da noch eine solide Femizid-Rate, gegen die sich offenbar so gar nichts ausrichten lässt.

Man muss verstehen, dass hier Vertrauen erodiert, und damit das Wichtigste, das die Gesellschaft zusammenhält

Und nun also das sympathische Ex-Paar, Teil der deutschen Comedy-Elite. Der Mann soll, so der Vorwurf, seine Frau über Jahre immer wieder physisch verletzt, kontrolliert und niedergemacht haben; er soll sie darüber hinaus mutmaßlich systematisch in ihrem Bekanntenkreis gedemütigt haben, indem er ihr, so der Vorwurf, mithilfe von gefälschten Nacktfotos und Social-Media-Profilen eine pornografische Doppelidentität anhängte. Natürlich gilt für Ulmen die Unschuldsvermutung. Collien Fernandes wäre die Erste, die sagt, dass es hier nicht einfach um sie geht, sie setzt sich seit Jahren für Gleichberechtigung und gegen Sexismus ein.

Jede vierte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben Gewalt durch den (Ex-)Partner. Millionen pornografische Deepfakes von privaten und prominenten Menschen, von ganz jung bis alt geistern im Netz. Man darf glauben, dass Frauen es ernst meinen, wenn sie jetzt zueinander oder auf Social Media sagen: „Es fühlt sich an, als würden Männer Krieg gegen uns führen.“ Man muss verstehen, dass hier jenseits aktueller Nachrichtenstorys Vertrauen massiv erodiert, und damit das Wichtigste, das Beziehungen und Gesellschaft zusammenhält.

Vor maßlosem Willen zur Macht schützt kein Gesetz und keine Polizei

Es ist ein Lichtblick, dass keine vier Tage zwischen dem Beginn der Debatte und der ersten Demonstration gegen sexualisierte Gewalt und für gesetzlichen Schutz gegen Deepfakes vergangen sind. Und auch, dass sich nun von Grünen bis CDU viele hinter das Ziel stellen, für besseren Schutz und härtere Täterverfolgung zu sorgen. Das zeigt, dass sich die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre endlich auszahlt.

Mehr Schutz und härtere Strafen sind gegen Missbrauch schon einmal gut. Aber sie sind nichts ohne Bildung, Präventionsarbeit und den gezielten Einsatz für die Gleichberechtigung der Geschlechter. All das wird derzeit überall in Deutschland, nicht zuletzt von der zuständigen Bundesministerin Karin Prien (CDU) infrage gestellt und eingespart. Doch vor dem maßlosen Willen zur Macht, dem sich Frauen durch Männer immer wieder ausgesetzt sehen, schützt kein Gesetz und keine Polizei. Der muss weg, wenn Frauen wirklich frei sein sollen.

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