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Chloé Zhao im Porträt:"Eine Art Tausendsassa"

Golden Globe Awards 2021

Bei den Golden Globes ist Chloé Zhaos Dokudrama "Nomadland" zweimal ausgezeichnet worden.

(Foto: Taylor Jewell/dpa)

Als Kind wollte Chloé Zhao Manga-Zeichnerin werden, dafür fehlte ihr das Talent. Nun erzählt sie Geschichten als Regisseurin im Kino - preisgekrönt.

Von Franziska Setare Koohestani

Um spontan zu sein, brauche es manchmal viel Planung. "Das weiß jeder, der schon mal einen Roadtrip gemacht hat", sagte Chloé Zhao, 38, neulich in einem Interview. Die Regisseurin ist selbst gerne spontan, zumindest was ihre Arbeit betrifft. Das Drehbuch zu ihrem Film "Nomadland" änderte sie ständig, bis zum Morgen des letzten Drehtages ging das so. Umso mehr musste ihr Produktionsteam also vorausplanen. Falls Zhao sich mal wieder kurzfristig umentschied, mussten verschiedene Optionen bereitstehen, neue Drehorte, neue Schauspieler, neue Logistik. Diese geplante Art der Spontaneität hat sich nun ausgezahlt, und zwar doppelt.

Bei den Golden Globes gewann Chloé Zhao Ende Februar zwei Preise. "Nomadland" wurde "bestes Filmdrama", und Zhao bekam die Auszeichnung als beste Regisseurin. Damit setzte sie sich nicht nur gegen Hollywood-Größen wie David Fincher ("Mank") und Aaron Sorkin ("The Trial of the Chicago 7") durch, sondern ist in 77 Jahren Golden-Globes-Geschichte auch erst die zweite Frau, die je als beste Regisseurin ausgezeichnet wurde. Die erste war Barbra Streisand, die den Golden Globe für ihren Film "Yentl" gewann. Das ist allerdings schon 37 Jahre her.

Chloé Zhao ist auch die erste Frau ostasiatischer Herkunft, die je einen Golden Globe für die beste Regie gewann. Darüber hinaus wurden noch nie zuvor so viele Frauen in der Kategorie "Regie" nominiert, erstmals waren es mehr Frauen als Männer - was dafür spricht, dass sich in der Branche allmählich etwas verändert, dass sie allmählich etwas vielfältiger wird. Neben Zhao gehörten zu den weiblichen Nominierten Regina King mit ihrem Debüt "One Night in Miami" und Emerald Fennell für "Promising Young Woman".

Als Kind wollte Zhao Manga-Zeichnerin werden, aber das mit dem Zeichnen klappte nicht so recht

Zhao, die 1982 in Peking geboren wurde und in "Nomadland" nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat, wird deshalb im Netz als Inspiration und Vorbild für junge ostasiatische Frauen gefeiert, die in Hollywood immer noch unterrepräsentiert sind. Zhao ist Tochter einer Krankenschwester, ihr Vater war Angestellter in einem der führenden Stahl-Unternehmen Chinas, die beiden ließen sich scheiden, als Zhao in die weiterführende Schule kam. Im Alter von 14 Jahren besuchte sie ein Internat in Großbritannien und machte ihren Highschool-Abschluss später in Los Angeles. 2010 zog sie für das Filmstudium nach New York. Zuvor habe sie immer eine sehr romantische Vorstellung von den Vereinigten Staaten gehabt, sagte sie mal in einem Gespräch mit dem New York Magazine: "Es ist nicht so, wie sie es in den Filmen darstellen." Wie das Land wirklich ist, erkundet sie nun in ihren Filmen und Drehbüchern.

Als Kind wollte Zhao Manga-Zeichnerin werden, aber das mit dem Zeichnen klappte nicht so recht, dafür fehlt ihr nach eigenen Angaben das Talent. Geschichten erzählen wollte sie trotzdem, deshalb hat sie sich für die Regie entschieden: "Dafür musst du nicht eine bestimmte Fähigkeit perfekt können, sondern eher eine Art Tausendsassa sein." In Interviews beteuert Zhao immer wieder, dass es beim Filmemachen nicht allein um die Person des Regisseurs oder der Regisseurin gehe. Auch in der Golden-Globes-Preisrede verwies sie auf ihr immer vorausplanendes, immer spontanes Produktionsteam: "Diese Auszeichnung gebührt dem gesamten Nomadland-Team." "Nomadland" erzählt die Geschichte der 60-jährigen Witwe Fern (gespielt von Oscar-Preisträgerin Frances McDormand), die im US-Bundesstaat Nevada wohnt. Als ihr Heimatort wirtschaftlich kollabiert, packt sie Hab und Gut ins Auto und fährt durch die USA, als moderne Nomadin eben.

"Filme geben uns die Möglichkeit, miteinander zu lachen, zu weinen, voneinander zu lernen, und: Mitgefühl zu empfinden", sagte Zhao in ihrer Dankesrede. Ebenjenes Mitgefühl sei der Grund, warum sie das Filmemachen liebe.

© SZ/fzg
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