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China:Angst und Alter

Die Entscheidung, die Zahl an erlaubten Kindern jetzt auf drei zu erhöhen, zeigt, wie groß der Druck auf die Regierung ist.

Von Lea Sahay

Lange hat die chinesische Führung diesen Schritt herausgezögert. Zu grotesk wäre der Kurswechsel gewesen, die Ein-Kind-Politik aufzuheben und dem Volk über Nacht drei Kinder zu gestatten. Jegliche Debatte sollte verhindert werden, nach grausamen Jahrzehnten, in denen die Regierung mit rigoroser Gewalt über die Familienplanung von Millionen Chinesen entschied, Frauen verstümmelte, Abtreibungen erzwang, Eltern mit mehreren Kindern terrorisierte. Deshalb folgten die ersten Reformen 2015 zögerlich, zuerst wurde nur ein weiteres Kind erlaubt.

Die Entscheidung, die Zahl an erlaubten Kindern jetzt auf drei zu erhöhen, zeigt, wie groß der Druck auf die Regierung ist. Die demografische Entwicklung ist dramatisch, bald schon dürfte Chinas Bevölkerung schrumpfen. Die Angst in Peking ist groß, dass es die Folgen der Überalterung nicht abfangen kann und das Sozialsystem zusammenbricht.

Ändern wird sich dennoch nichts. Die finanzielle Belastung für junge Paare ist so groß, dass sie nicht einmal mehr bereit sind, zwei Kinder zu bekommen. Zu Hause versorgen sie nicht nur den Nachwuchs, sondern auch ihre Eltern. Die Lebenshaltungskosten in vielen Städten sind ins Unermessliche gestiegen, die soziale Absicherung ist zu schlecht. Eine Antwort auf diese Sorgen hat Peking bisher nicht.

© SZ/fzg
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