Wer war der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed? Sein Schwiegersohn Ali oder sein Weggefährte Abu Bakr? Diese Frage spaltete Muslime einst in Sunniten und Schiiten. Der wohl wichtigste Ort für diese Auseinandersetzung ist Kerbala. Eine Stadt im Zentrum des Irak, etwa 100 Kilometer südlich von Bagdad. Am 10. Oktober 680 n. Chr. fand hier die Schlacht von Kerbala statt. Imam Hussein, ein Sohn Alis und Enkel Mohammeds, traf auf den Kalifen aus der in Damaskus ansässigen Dynastie der Umayyaden – und wurde vernichtend geschlagen. In der Folge begannen die Schiiten, sich als selbständige Religionsgemeinschaft zu verstehen. Imam Hussein wurde zu ihrem Märtyrer. Zu seinem Schrein pilgern jedes Jahr bis zu 20 Millionen Menschen, mehr als nach Mekka. Bis heute ist es Teil der schiitischen Erzählung, gegen die Übermacht der Sunniten bestehen zu müssen, die 85 bis 90 Prozent der Muslime ausmachen. In Iran und im Irak aber sind die Schiiten in der Mehrheit und mit der Islamischen Revolution 1979 formte Ayatollah Chomeini einen schiitischen Gottesstaat. Wird der Leichnam seines Nachfolgers jetzt in Kerbala betrauert, ist das also auch eine schiitische Selbstvergewisserung.
Aktuelles LexikonWarum ist Kerbala für die Schiiten so wichtig?

In der Stadt im Zentrum des Irak fand 680 n. Chr. eine entscheidende Schlacht statt. In der Folge spaltete sie die muslimische Glaubensgemeinschaft in Sunniten und Schiiten.
