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Vorsitz und Kanzlerkandidatur:Neue Freiheit für die CDU

CDU-Vorsitz-Kandidaten stellen sich vor

Die CDU-Delegierten entscheiden, ob Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet (v.r.n.l.) Parteichef wird.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der Kanzlerkandidat müsse nicht unbedingt Parteichef sein, sagen Brinkhaus und Schäuble und haben recht: Sie erleichtern die Wahl des Vorsitzenden, die CDU wird unabhängiger von Söder - und Spahn ist wieder im Spiel.

Kommentar von Robert Roßmann, Berlin

Es gibt in der CDU deutlich unwichtigere Politiker als Ralph Brinkhaus und Wolfgang Schäuble. Der eine ist Unionsfraktionschef, der andere Bundestagspräsident. Schon deshalb sollte man genau hinhören, wenn die beiden etwas sagen. Jetzt haben sowohl Brinkhaus als auch Schäuble erklärt, dass der Kanzlerkandidat der Union nicht unbedingt Parteivorsitzender sein müsse.

Bisher war man in der CDU davon ausgegangen, dass entweder CSU-Chef Markus Söder oder der neue CDU-Vorsitzende die Union in die Bundestagswahl führen wird. Brinkhaus und Schäuble haben diese selbst auferlegte Fessel nun gesprengt. Sie haben ihrer Partei damit einen Gefallen getan.

Schäuble betont zwar, mit seiner Bemerkung keine Personalspekulationen auslösen zu wollen. Aber genau das haben er und Brinkhaus getan. Denn wenn der Kanzlerkandidat nicht auch Parteichef sein muss, ist zum Beispiel Jens Spahn wieder im Rennen. Gerade erst hat eine Umfrage den Gesundheitsminister als beliebtesten Politiker Deutschlands ausgewiesen, noch vor der Kanzlerin.

Der Vorsitzende wirkt nach innen, der Kanzlerkandidat nach außen

Vor allem aber haben Brinkhaus und Schäuble den CDU-Delegierten die Wahl erleichtert. Beim Parteitag Mitte Januar können sie jetzt freier darüber entscheiden, wer der beste Parteichef ist - sie müssen nicht mehr mitbedenken, ob der neue CDU-Vorsitzende zusätzlich auch der richtige Kanzlerkandidat ist. Denn die Job-Beschreibungen für die beiden Ämter unterscheiden sich deutlich. Der Parteichef wirkt in erster Linie nach innen. Er muss der CDU wieder ein klareres Profil verleihen, die unterschiedlichen Lager zusammenhalten und die Parteistrukturen modernisieren. Der Kanzlerkandidat sollte dagegen vor allem nach außen wirken und auch Wähler jenseits des CDU-Milieus ansprechen.

Friedrich Merz verspricht CDU pur, würde aber als Kanzlerkandidat die Angela-Merkel-Wähler nicht halten können. Armin Laschet hat in Nordrhein-Westfalen bewiesen, dass er eine Partei (und eine Koalition) zusammenhalten kann, aber hat er die nötige Disziplin und Härte fürs Kanzleramt? Und Norbert Röttgen fasziniert viele durch die Leidenschaft, mit der er die CDU jünger, weiblicher und digitaler machen will - aber kann er eine Regierung führen?

Niemand weiß, ob Söder wirklich antreten würde

Wer sich nicht mehr den Zwang auferlegt, dass der Kanzlerkandidat auch Parteichef sein muss, kann beide Ämter passgenauer besetzen. Und nicht nur das: Die CDU verschafft sich damit größere Unabhängigkeit von der CSU. Bisher verlassen sich in der CDU viele darauf, dass zur Not Söder antreten könnte. Aber niemand weiß, ob der auch zur Verfügung steht. Ilse Aigner, Chefin der mächtigen Oberbayern-CSU und Landtagspräsidentin, hat Söder bereits von einer Kandidatur abgeraten.

Der CDU muss außerdem daran gelegen sein, dass der Kanzlerkandidat möglichst spät bestimmt wird. Jeder Tag, den er nicht neben der beliebten Kanzlerin bestehen muss, hilft ihm. Und jede Woche, die er noch nicht im Visier der anderen Parteien steht, erleichtert ihm das Geschäft.

Wenn der Kanzlerkandidat kein Parteichef sein muss, ist die Wahl des CDU-Vorsitzenden Mitte Januar noch keine Vorentscheidung. Und die Union könnte ihren Kanzlerkandidaten tatsächlich erst in einem Vierteljahr küren. Dann weiß sie auch genauer, welcher Bewerber sich wie schlägt. Das gilt auch für Spahn. Die Probleme bei den Impfungen, für die er gerade mitverantwortlich gemacht wird, zeigen ja: Auch seine guten Umfragewerte müssen nicht von Dauer sein.

© SZ/saul
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