Süddeutsche Zeitung

Sven Schulze:Chef der CDU Sachsen-Anhalt, der sich mit Laschet arrangiert

Sven Schulze macht keinen Hehl daraus, dass der Favorit seines Landesverbandes nicht Armin Laschet hieß.

Von Ulrike Nimz

Als Sven Schulze jüngst die ersten Landtagswahlplakate seiner Partei enthüllte, war klar: Die Lage ist ernst. Fast wie eine Traueranzeige wirkte das Porträt des Spitzenkandidaten Reiner Haseloff. "Der Richtige in schwierigen Zeiten" stand da. Ja, diese Tage sind nicht leicht für Sachsen-Anhalts CDU, wegen der Pandemie, die aus Ministerpräsidenten Krisengewinner oder Krisenverlierer macht. Aber auch wegen der Bundespartei, die nun in Armin Laschet einen Kanzlerkandidaten hat, den nicht wenige an der ostdeutschen Basis für den Falschen halten.

Seit März ist Sven Schulze, 41, Chef von Sachsen-Anhalts CDU. Er folgte auf Holger Stahlknecht, der seinen Posten räumen musste, weil er etwas zu laut über eine Zusammenarbeit mit der AfD nachdachte. Eine Option, die Schulze klar ausschließt. Ziel sei es, die AfD bei der Landtagswahl im Juni deutlich zu schlagen. Helfen soll dabei ein alter Bekannter.

Hätte man die K-Frage allein Sachsen-Anhalts CDU gestellt, wäre wohl ein dritter Kandidat der Gewinner gewesen: Friedrich Merz. Der stand zwar nicht zur Wahl, gilt im Osten aber vielerorts als konservativer Heiland, hat schon in Sachsen und Thüringen Wahlkampfhilfe geleistet und auch jetzt Unterstützung zugesagt. "Natürlich wird die CDU hinter Armin Laschet stehen, und gemeinsam mit Friedrich Merz können wir im Wahlkampf die komplette Breite der Partei abbilden", sagt Schulze, der keinen Hehl daraus macht, dass sein Landesverband für Markus Söder gestimmt hätte.

Seit 2014 pendelt er zwischen Brüssel und Magdeburg, 100 000 Dieselkilometer im Jahr

"Es mag für manchen eine Enttäuschung gewesen sein, aber wir sehen keine Austrittswelle, sondern Geschlossenheit", sagt Schulze. Andere sind weniger versöhnlich. "Unsere CDU erstickt in verkrusteten Strukturen und dem Festhalten der derzeitigen Parteielite an der Macht!", twitterte der Landtagsabgeordnete Guido Heuer nach der Entscheidung des Bundesvorstandes.

Schulze, verheiratet, drei Kinder, kennt die Landespartei, deren Eigensinn und Streitlust. Er war Generalsekretär und Landesvorsitzender der Jungen Union, saß im Gemeinderat, im Kreistag. Seit 2014 pendelt er zwischen Brüssel und Magdeburg, 100 000 Dieselkilometer im Jahr, als einziger Europaabgeordneter aus Sachsen-Anhalt. Auf seinem Youtube-Kanal kann man sich anschauen, wie er Besucher durch das Europaparlament führt oder in einer Kohlegrube steht. In einer Szene betritt er das Büro mit Bauarbeiterhelm.

Schulze stammt aus Heteborn, einem 350-Seelen-Ort im Harzvorland. Der Wirtschaftsingenieur hat lange für einen Automobilzulieferer gearbeitet. Er benutzt oft das Wort "Mittelstand" und weiß, wovon er spricht. Schulze wird gern dem konservativen Lager zugeordnet, er selbst verortet sich mittig. In seiner Antrittsrede als Parteichef nannte er die SPD "den Wurmfortsatz der Linken", die Grünen "ferngesteuert". Er sagte den Satz, der stets Applaus sichert: "Wir sind hier in Sachsen-Anhalt und nicht in Berlin." Inzwischen klingt er ausgleichender, Sachsen-Anhalts Kenia-Koalition sei besser als ihr Ruf. Aber sollte es zu einer Neuauflage des Bündnisses kommen, müsse man die Menschen mehr mitnehmen.

Schulze hat Laschet nach Sachsen-Anhalt eingeladen

Die Menschen mitnehmen, vor allem im Osten, das muss nun auch Laschet. Vergangenen Sommer besuchte er das Grab Martin Luthers, das Bauhaus. Laschet habe sich sehr um den Osten bemüht, sagt Schulze. Der Strukturwandel verbinde Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen, doch die politische Landschaft sei sehr verschieden. "Die Hauptkonkurrenz der Union im Westen sind die Grünen. Im Osten ist es die AfD." Die Menschen in seiner Heimat hätten eine feine Sensorik für Umbrüche. "Sie spüren, wenn das, was sie sich seit der Wende aufgebaut haben, gefährdet ist, wie jetzt durch die Pandemie."

Schulze hat Laschet nach Sachsen-Anhalt eingeladen. Wenn das Virus es zulässt, will er ihm den Süden zeigen, wo die Gruben sind, viele Jobs an der Kohle hängen. Wer die politische Landschaft verstehen will, fängt am besten mit der Landschaft an.

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