Profil:James Tiberius Kirk

Kapitän der "Enterprise" in realer Weltraum-Mission

Von Alexander Menden

Darf man den Aussagen zahlreicher Mitarbeiter der Nasa und anderer Weltraumorganisationen glauben, dann hat keine Science-Fiction-Serie die Raumfahrt seit den Sechzigerjahren so beflügelt und inspiriert wie "Star Trek" ("Raumschiff Enterprise"). Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti etwa hängte in ihrem Kinderzimmer "Star Trek"-Poster auf. "Es mag kindisch klingen", sagte sie einmal im SZ-Interview, "aber dieses Motto 'To boldly go where no one has gone before' hat mich unglaublich fasziniert." Und keiner aus der ursprünglichen Besatzung der "Enterprise" steht so sehr für den Mut, dorthin zu reisen, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist, wie ihr Kapitän James Tiberius Kirk.

Kirk ist eine Figur, die in der ersten Liga der amerikanischen Popkultur spielt, wie Darth Vader oder Batman. Doch im Gegensatz zu deren finsterem Antihelden-Image gleicht er in seinem ewigen Optimismus, seinem Glauben an das Gute im Menschen (und im Klingonen!) eher der großen westlichen Lichtgestalt Superman, wenn er auch ungleich weniger regelkonform und weitaus impulsiver ist als dieser. Laut Kirks fiktionaler Biografie wurde er am 22. März 2233 als Bürger der Vereinigten Föderation der Planeten im US-amerikanischen Bundesstaat Iowa geboren. Schon sein Vater George war Sternenflottenoffizier, und nach einer wilden Jugend kam James 2252 selbst auf die Sternenflottenakademie. Er diente auf den Raumschiffen USS Republic und USS Farragut, um dann, mit erst 32 Jahren, das Kommando des Forschungsschiffs USS Enterprise zu übernehmen.

Kirk wurde jahrzehntelang gespielt von William Shatner, 90, der am Mittwoch nun seinen eigenen Kurzflug ins All absolvierte, mit Hilfe von Jeff Bezos' Firma Blue Origin. Shatner gab Kirk zunächst als hitzköpfigen Frauenheld, der gern die Regeln brach, um seine Ziele zu erreichen. Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry arbeitete jedoch immer weiter an der Figur, machte sie subtiler, komplexer und weniger machohaft. Neben seinem Ersten Offizier und besten Freund, dem Halb-Vulkanier Spock, hat James Kirk das Star-Trek-Universum geprägt wie kein anderer. Er war das hitzköpfige Gegenstück zum kühlen Spock, mit dem ihn, je nach Auslegung, etwas mehr verband als reine Freundschaft. Seine Erkundungen der Galaxis bildeten jedenfalls in der Originalserie aus den Sechzigerjahren, den späteren Kinofilmen und nach dem Relaunch der Filme im Jahre 2009 das Rückgrat der Enterprise-Welt.

Er führte Kriege, er beendete sie, und keine der fernen Welten, die er betrat, blieb unverändert durch seinen Besuch - trotz der Sternenflotten-Direktive der Nichtintervention. Obwohl sein Sohn von einem Klingonen getötet worden war, überwand er seinen Hass auf diese kriegerische Alienspezies, und half, einen bleibenden Frieden zwischen den Klingonen und der Föderation zu schmieden. Bei Kirk siegte stets der Drang, das Richtige zu tun, über Schwächen wie Eitelkeit oder Jähzorn.

Berühmt wurde eine Szene aus "Platons Stiefkinder", der zehnten Folge in der dritten Staffel der Originalserie. Ursprünglich ausgestrahlt am 22. November 1968, zeigte sie den ersten intimen Kontakt zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau im amerikanischen Fernsehen: Captain Kirk und Lieutenant Uhura, gespielt von Nichelle Nichols, küssen sich in dieser Folge, obwohl unterschiedliche Versionen davon existieren, ob sich ihre Lippen dabei berührten oder nicht. Der Kuss wurde nicht nur emblematisch für die Toleranz, für welche die Serie selbst stand, sondern auch für Kirk als Inkarnation dieses "Star Trek"-Geistes.

Seit 2009 spielt Chris Pine die Rolle des James T. Kirk, in einer neuen Zeitlinie, aber mit dem alten Charme. Auch in Pines Version bleibt er der eigensinnige Feuerkopf, der einmal zum ewig grantelnden Schiffsdoktor McCoy sagte: "Einer der Vorteile, wenn man Kapitän ist, besteht darin, dass man um Rat fragen kann, ohne diesen Rat befolgen zu müssen."

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