Süddeutsche Zeitung

Bundeswehr:Dank vor dem Bundestag

Die Ministerin will die Afghanistan-Rückkehrer hinter den Mauern ihrer Behörde würdigen. Angemessen aber wäre eine große und öffentliche Geste vor dem Parlament.

Von Stefan Braun

Zwanzig Jahre Afghanistan-Einsatz - und am Ende gab es bei der Rückkehr nicht mal eine Begrüßung. Das ist peinlich und doch symptomatisch für eine Politik, die bis heute bei diesem Einsatz zwar hie und da mitgelitten hat, aber sich nur selten voll und ganz hinter ihre Soldaten gestellt hat. Ja, es gab in Abstimmungen Mehrheiten. Aber dass die Soldatinnen und Soldaten vom Parlament entsandt werden - das wollten viele so offen und solidarisch nur selten aussprechen.

Umso verständlicher ist der Wunsch vor allem aus dem Veteranen-Verband, dass die überfällige Dankesgeste nicht hinter den Zäunen des Verteidigungsministeriums stattfindet, und sei es im historisch bedeutsamen Bendler-Block. Nein, die jetzt nötige Geste der Anerkennung gehört vor den Bundestag. Damit verbindet niemand eine martialische Botschaft. Es gehört sich einfach, dass diese Würdigung öffentlich stattfindet, und zwar dort, wo in dieser Demokratie die Entscheidungen für oder gegen Einsätze fallen. Man kann nicht immer wieder stolz von einer Parlamentsarmee sprechen, aber dann die Nähe und Symbolkraft des Parlaments scheuen.

Die Bundeswehr ist kein Anhängsel der deutschen Demokratie. In einer Welt, in der andere aggressiv und egoistisch agieren, gehört sie schlichtweg zu einem friedfertigen Deutschland.

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