Bundeswehr:Der Undank des Landes

Die Politik hat die letzten Bundeswehrsoldaten, die aus Afghanistan heimkamen, auf beschämende Weise ignoriert. Nun will sie den Fehler korrigieren.

Von Mike Szymanski

Mitunter ist auch mit dem größten Bemühen ein Fehler hinterher kaum mehr gutzumachen. Es wird der Politik noch lange nachhängen, wie gleichgültig sie vergangene Woche mit den letzten Einsatzrückkehrern aus Afghanistan umgegangen ist. Ohne Beisein von Politikerinnen und Politikern waren die letzten Maschinen nach bald 20 Jahren Einsatz am Hindukusch in Deutschland gelandet. Das Argument, das Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zur Verteidigung vorträgt, ist dürftig. Die Soldaten hätten schnell nach Hause gewollt. Bestimmt ist das der Fall. Für einen Dank von höchster Stelle sollte jedoch immer Zeit sein.

Es sind doch der Bundestag und die Regierungen, die Soldatinnen und Soldaten dorthin schicken, wo ihr Leben in Gefahr ist. In Afghanistan starben 59 Soldaten, viel mehr wurden verwundet an Körper und Seele. Kein anderer Einsatz der Bundeswehr war so verlustreich, kein anderer hat die Armee so verändert. Ein solcher Abschluss ist einfach nur beschämend.

Nun wird der große Abschlussappell nachgeholt, Ende August, mit viel gutem Willen und einem leicht schlechten Gewissen. Und wieder bleibt das bittere Gefühl: Auch das ist noch nicht genug. Der Bendlerblock, hinter den Zäunen des Verteidigungsministeriums, das ist der falsche Ort. Die Mission müsste vor dem Reichstag ihr endgültiges Ende finden, dort, wo die Parlamentarier sie beschlossen und Jahr für Jahr verlängert haben. Es war auch ihre Mission.

© SZ
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