Aktuelles Lexikon:Bundespresseball

Bisher war es einfach, die Teilnahme an dem (fast) alljährlichen Ereignis in Berlin abzusagen. Dieses Mal ist die Entscheidung wesentlich politischer.

Von Henrike Roßbach

Manche Politiker sind Stammgäste auf dem Bundespresseball, andere dagegen gehen nie hin. Doch während Angela Merkel noch mit der Begründung absagen konnte, sie habe es halt nicht so mit Bällen, ist die Entscheidung für oder gegen die Ballnacht dieses Jahr wesentlich politischer. Der Bundespräsident jedenfalls hat die Frage, wie viel Walzer angemessen ist, während in der Ukraine Kinder durch Bomben sterben, gerade mit einer Absage für den kommenden Freitag beantwortet.

Die Bundespressekonferenz hatte zuvor versucht, das diesjährige Dilemma mit einer Umwidmung des Balls zur Solidaritätsveranstaltung für die Ukraine aufzulösen. Was nun allerdings zu der für den Präsidenten ebenfalls misslichen Schlagzeile führt: "Steinmeier sagt Teilnahme an Solidaritätsball für die Ukraine ab."

Der erste Bundespresseball am 2. Februar 1951 hieß noch Presse- und Funkfest. Drei Mal fiel er bislang aus: 1961 wegen des Mauerbaus, 1977 wegen der Ermordung Hanns Martin Schleyers und 2020 wegen der Pandemie. 1963 wurde er wegen des Kennedy-Attentats verschoben, 2021 wegen Corona. Zur Ballfolklore gehört, dass es Austern und Champagner gibt, man aber vor allem die Currywurst um Mitternacht nicht verpassen will. Dinnerkarten sind natürlich teurer als Flanierkarten. Dabei kann man mit letzteren viel leichter ausweichen, wenn sich ein berüchtigt langweiliger Gesprächspartner nähert.

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